Wer Fieber hat, darf nicht ins Krankenhaus – auch nicht mit Lungenentzündung
02. Dezember 2020

Mit Erlaubnis meines Patienten darf ich folgende leider wahre Geschichte erzählen:

Herr H., 85 Jahre alt, seit seiner Kindheit Asthmatiker, seit Jahrzehnten Privatpatient und privat zusatzversichert, bekommt am Dienstagabend plötzlich 38,5°C Fieber. Er kann sich nicht mehr bewegen, kaum mehr sprechen, seine zierliche Frau kann ihn in nicht ins Bett heben.

Das Paar verständigt die Rettung, die ihnen abrät, ins Krankenhaus zu fahren, da „in der Nacht eh nichts mehr passiert“, außerdem „sei dort die Wahrscheinlichkeit höher, dass er sich mit Corona anstecke“. Das Rettungspersonal gehe aber ohnehin davon aus, dass Herr H. daran erkrankt sei.

Ein Wiener Privatspital weist den Patienten ab mit der Begründung, sie hätten kein Bett mehr frei. Wie sich später herausstellt, hätte es sehr wohl freie Betten gegeben – allerdings nur dann, wenn Herr H. einen negativen Sars-CoV2-Test hätte vorweisen können.

Am nächsten Tag mache ich einen Hausbesuch bei meinem Patienten, wo ich ihn mit stehenden Hautfalten und relativ verwirrt vorfinde. Ich stelle die Verdachtsdiagnose auf Lungenentzündung. Zum Glück hat seine Frau schon in Eigenregie mit einer Antibiose begonnen. Wir führen einen Sars-CoV2-Antigen-Test durch, er fällt negativ aus. Nach zwei Infusionen geht es meinem Patienten deutlich besser, am nächsten Tag ist er bereits wieder fieberfrei.

Was bleibt, ist der Schock: Offenbar darf man in Österreich nicht mehr fieberhaft erkranken, denn mit Fieber in einem Krankenhaus aufgenommen und behandelt zu werden, ist ein Kunststück geworden!

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