Reha-Abbruch nach Umarmung
12. Januar 2021

Ein Nachtdienst im November 2020 in einem Tiroler Reha-Zentrum: Wie üblich mussten wir, das Personal, nach 22 Uhr eine Unterschriftenliste kontrollieren, um zu überprüfen, ob sich alle anwesenden Patienten vom Haus auch eingetragen haben.
Eine Dame fehlte und ging auch nicht ans Telefon. Bei der Zimmerkontrolle sah ich, dass sie offenbar ungeplant abgereist war. Es war eine psychiatrische Patientin Mitte 40. Ich begann, in ihrer Fieberkurve zu lesen und fand diesen abschließenden Bericht der behandelnden Psychiaterin:

„Zwischenuntersuchung: Diskrepanz zwischen Wünschen und Dürfen besteht. Darf sie sich etwas erlauben? Die Patientin ist zunehmend in der Erprobung, eine adäquate Abgrenzung ist jedoch schwierig. Eine ähnliche Situation entsteht gestern durch eine plötzliche Umarmung einer Mitpatientin. Aufgrund der Covid-Maßnahmen kommt es hierbei zu einer deutlichen Grenzüberschreitung. Als Konsequenz erfolgt die Entlassung aus der Reha. Die Situation wird mit der Patientin ärztlich und psychotherapeutisch besprochen, wodurch einerseits ihre Not und ihr Bedürfnis zu Nähe zu erkennen ist, andererseits die Einsicht seitens der Patientin beobachtet werden kann.“

Ich bin immer noch fassungslos.
Alle Patienten, die zu uns ins Haus kommen, werden mittels PCR-Test am Aufnahmetag getestet. Nur Negative bleiben. Wir haben strikte Besuchsregelungen – einmal wöchentlich für eine Stunde – alles unter „Schutzatmosphäre“ mit MNS, Plexiglas, dokumentiert. Wie hätte diese Frau überhaupt jemanden mit Corona infizieren können? MNS haben ohnehin alle in den Gängen usw. zu tragen. Das wird im Übrigen durch Security-Mitarbeiter überwacht.
Willkommen in der „schiachen neuen Welt“!

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