Nur noch zwei Diagnosen möglich: „gesund“ oder „Covid-19 positiv“
17. Dezember 2020

Ich bin Kassenarzt für eine Augenarztpraxis. Folgende Geschichte kann ich beitragen:

Der Ehemann meiner Mitarbeiterin war mehrere Tage verkühlt und hatte dann 3 Tage lang 39 Grad Fieber. Der Arbeitgeber des Herrn forderte die Vorlage eines PCR-Tests, der vom Betriebsarzt durchgeführt wurde. Dieser war negativ. Der Hausarzt schickte den Patienten zur weiteren Abklärung ins Krankenhaus. Dort wurde zuerst ein Covid-19 Schnelltest durchgeführt, der ebenfalls negativ war. Die behandelte Ärztin glaubte aber beiden vorliegenden Tests nicht und nahm erneut einen Abstrich für einen PCR-Test ab. Es wurde kein Abstrich auf Influenza durchgeführt. Auch wurde an keine weitere Differenzialdiagnose gedacht. Auch der dritte Covid-Test war negativ. Nach einer Woche kam es zur Symptomverbesserung des Patienten und er verzichtete auf den Kontrolltermin an der Klinik.

Es ergibt sich für mich der Eindruck, als gäbe es nur mehr eine Diagnose, beziehungsweise zwei. Nämlich „gesund“ oder „Covid-19 positiv“. Sarkastischerweise könnte man dann sagen, dies sei eine Win-Win-Situation. Der Arzt stellt immer die richtige Diagnose und der Patient weiß immer, was er hat. Aber in Wirklichkeit schafft sich so eine Medizin selbst ab.

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