Kann hier bitte jemand mal wieder das Licht anmachen in dieser Finsternis?
30. November 2020

Über die Situationen von alten Menschen und die des Personals in Pflegeheimen.
Ein Weckruf – ausgerufen von mehreren besorgten und dennoch optimistischen Gesundheits- und Krankenpflegerinnen
.

Alte Menschen, die nur noch diesen Ort als ihre letzte Heimat vor dem Sterben haben, haben es besonders schwer seit „Corona“. Wir haben den Anspruch, dass der alte Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen ein selbstbestimmtes Leben führen darf bis zu seinem Tode. Mit viel Einfühlungsvermögen, Fürsorge und Empathie gelingt es dem Pflegepersonal, den Heimalltag so „normal“ wie möglich zu gestalten. Doch seit März leben wir mit den Heimbewohnern nun in einem Ausnahmezustand, der nicht mehr enden will. Weil nämlich genau diese Werte nicht mehr erfüllbar sind.

Alle Beteiligten werden mit immer noch mehr Schutzmaßnahmen und Einschränkungen in ihrer Freiheit beeinträchtigt und denunziert. Es geht dabei nicht um Schutzmaßnahmen, die eine Infektion verhindern sollen und können, sondern um Grundrechte, die offensichtlich durch immer mehr willkürlich gesetzte Maßnahmen übergangen werden und weder ein würdevolles Leben bis zum Tod noch eine gesunde Pflege zulassen. Durch diese Maßnahmen kommt der betreute Mensch in eine immer größer werdende Distanz, fühlt sich ausgegrenzt und schrecklich einsam.

Die seit Monaten getragene Gesichtsmaske, die nicht nur das Atmen erschwert, sondern auch die Mimik verhüllt, löst all dies bereits aus. Gesichtsausdrücke können nicht mehr richtig gedeutet und erstanden werden. Nun reicht es aber nicht, die als sicher geltenden FFP2-Maske Tag und Nacht zu tragen, nein! Auch Schutzbrillen werden bei der Grundpflege verlangt, was wir noch tolerierten. Das Ganze wird nun jedoch auf die Spitze getrieben mit zusätzlichen Schutzmänteln, die bei allen grundpflegerischen Handlungen getragen werden müssen. Geradezu absurd ist das zusätzliche Tragen von Handschuhen beim Essen Eingeben von Bewohnern, die darauf angewiesen sind. Das hat um Himmelswillen nichts mehr mit menschenwürdigem Umgang zu tun!

Nicht zuletzt wird nun ein wöchentlicher Testmarathon für das gesamte Pflegepersonal gestartet. Wird ein positives Ergebnis angezeigt, muss auch ein Symptomloser zuhause bleiben, bis ein erneuter Test die vermeintliche Sicherheit bringt. Wer soll sich dann Bitteschön um die Menschen kümmern, beim Teamsplitting im Personal, wenn die vermeintlich positiv Getesteten alle zuhause sind?!

Auch die Angehörigen dürfen kaum noch auf Besuch kommen, denn seit März gilt: auf Abstand mit Mund- und Nasenmaske, kein Händeschütteln, geschweige denn in den Arm nehmen und nur eine Bezugsperson pro Woche. Bei einer großen Familie müssen die anderen verzichten. Zusätzlich verstehen wir nicht, dass so wichtige Dinge wie medizinische Fußpflege und Frisörbesuche nicht mehr möglich sein sollen. Wir tragen doch auch täglich die FFP2-Masken!
Darf ein Sterben im Altersheim – in Würde, mit Familienmitgliedern, einfühlsamen Pflegenden und Freiraum für seine grundlegenden, menschlichen Grundbedürfnisse, nicht mehr sein?

Wir Pflegende werden tagtäglich damit konfrontiert und versuchen abzudämpfen, zu kompensieren, zu trösten, Mut zu machen und Erklärungen zu finden. Wenn wir aus dem Dienst gehen, kommen alle anderen Sorgen – wie Familie, Zukunftsängste und die Herausforderung, dem ganzen Irrsinn standzuhalten – noch dazu, ebenso wie das Wissen um die Missstände von zu niedrigem Personalschlüssel und der Mindestschlüsselaussetzung für Nachtdienste. Da verlässt auch den „hartgesottenen“ Pflegenden der Mut, der Wille und Gutmenschgedanke. Das ist keinesfalls befriedigend, zufriedenstellend und wertfördernd für unseren doch so wichtigen Pflegeberuf!

26.11.2020

Kontakt

9 + 2 =

Newsletter

Tragen Sie sich in unsere Mailingliste ein und erhalten Sie regelmäßig Informationen über unsere Arbeit.