Behinderung durch Atemwegserkrankungen: diskriminiert
25. Dezember 2020

Aufgrund meiner verschiedenen schweren Erkrankungen habe ich eine fünfzigprozentige Behinderung und Pflegestufe eins. Meine Atemwegserkrankungen führen zu einer stark eingeschränkten Nasenatmung und zeitweise zu Erstickungsanfällen. Hinzu kommen eine außergewöhnlich schwere chronische Migräne, die medikamentös schwer in den Griff zu kriegen ist, und verschiedenste Neuralgien sowie immer wieder langwierige und äußerst schmerzhafte Schleimhautentzündungen im Mundbereich, ausgelöst durch Medikamente. Meine chronischen Erkrankungen bedürfen regelmäßiger Kontrollen. Meine Vertrauensärzte sind natürlich nicht immer verfügbar, weswegen ich häufig mit Vertretungen und neuen Fachärzten vorlieb nehmen muss.
Damit ich als Patientin richtig behandelt und eingeschätzt werde, habe ich stets eine Diagnoseliste, zwei Notfallausweise, einen Behindertenausweis, die Masken-Befreiung mit medizinischer Begründung sowie den Gesetzestext bei mir. Aus Respekt gegenüber anderen trage ich zusätzlich ein Kinnschild, etwas anderes kann ich nicht tragen.

Beim ersten Vertretungsarzt meines Hausarztes ist es mir passiert, dass nach meiner Schilderung der Beschwerden sofort aus beiden Nasenlöchern und aus dem Rachen ein Covid-Abstrich genommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren Speicheldrüsen und Mundschleimhäute angeschwollen und schwer entzündet. Begründet wurde dies damit, dass ich im Hals Beschwerden hätte und es das Gesetz so vorsehen würde. Zwar gab es keinerlei Anzeichen für Covid, aber es sei Pflicht. 
Zur weiteren Abklärung überwies man mich an ein Röntgen-Institut. Die Sprechstundenhilfe akzeptierte meine Befreiung trotz frischen negativen Covid-Tests nicht. Der Arzt verweigerte mir eine Untersuchung, sofern ich keine Maske aufsetzte, und hielt mir vor allen wartenden Patienten einen Vortrag, als sei ich eine Schwerverbrecherin. Er selbst und das gesamte Personal trugen billige Einmal-Masken. Hilflos und ängstlich setzte ich die Maske auf. Jedes Mal, wenn meine Hand in Richtung Gesicht wanderte, wurde ich sofort angefahren und die ganze Zeit über beobachtet. Während der folgenden drei Untersuchungen bekam ich Atemnot und musste vor Aufregung und Schmerzen schrecklich weinen, in den folgenden Nächten hatte ich Albträume.
Die Kontrolluntersuchung verlief positiv: diagnostiziert wurde zwar eine schmerzhafte Erkrankung, aber keine bösartigen Tumore. Man überwies mich zum HNO-Arzt und forderte mich dezidiert auf, persönlich vorzusprechen, falls ich telefonisch niemanden erreichen sollte. Nach mehreren gescheiterten Anrufversuchen ging ich zur Ordination und entschuldigte mich bereits bei der Ankunft für meinen Bescheid zur Maskenbefreiung. Natürlich wurde erst einmal diskutiert, ob ich überhaupt drangenommen werde (ohne Termin, aber doch ein Notfall…). Trotz gültigen negativen Tests behandelte man mich dann wie eine Aussätzige. Im Wartezimmer wurde das Fenster neben mir aufgerissen. Nach einigen Minuten wechselte ich den Platz. Sofort kam die Sprechstundenhilfe, brachte mich in einen anderen Raum und erklärte mir, sie würde sich nicht mit mir unterhalten, da ich keine Maske trug. Nach einem unsanften Allergietest durfte ich endlich zur Ärztin, die augenscheinlich mit meiner Befreiung kein Problem hatte.
Die Untersuchung ergab, dass ich nur 20 Prozent Nasenatmung habe und Cortison nehmen solle, ein Präparat, das bei mir schwere Nebenwirkungen hervorruft. Außerdem verwies man mich an einen Zahnarzt zur Abklärung der Mundschleimhauterkrankung.
Wenige Tage später zeigte ich beim Zahnarzt meine Befreiung vor. Zunächst wollte man mich wieder wegschicken, aber ich pochte auf mein Recht auf ärztliche Abklärung und legte den Gesetzestext vor. Man lenkte ein: Ich würde heute behandelt, aber sofern ich keine Maske trage, müsse ich warten, bis alle anderen Patienten weg seien. Ich willigte ein, draußen zu warten. Drei Stunden später wurde ich endlich wieder eingelassen.

Als ich letzte Nacht Atemnot bekam und mich vor Schmerz übergeben musste, bekam mein Mann Angst und wollte die Rettung rufen. Aus großer Furcht, wieder genötigt zu werden, wollte ich lieber auf ärztliche Hilfe verzichten. Ich scherze nicht, wenn ich sage, ich wäre lieber gestorben als erneut solch eine Erfahrung machen zu müssen. In dieser Nacht hatte ich hohen Flüssigkeitsverlust und starke Kreislaufbeschwerden. Ich konnte weder liegen, sitzen, gehen noch stehen.Meine Befreiung wurde von einem Facharzt (Neurologen) ausgestellt. Doch wo finde ich noch Hilfe? Mein Anwalt konnte mir darauf nicht antworten, die Ombudsstelle für Patienten wies mich zurück, die Ärztekammer fühlt sich nicht zuständig und auch die Wirtschafskammer bietet keine Hilfe an.
Was muss ich mir aufgrund meiner Behiderung alles gefallen lassen?

Kontakt

15 + 5 =

Newsletter

Tragen Sie sich in unsere Mailingliste ein und erhalten Sie regelmäßig Informationen über unsere Arbeit.