Behandlung verweigert, mit schwerwiegenden Folgen
2. Januar 2021

Während des ersten Lockdowns hatte meine 70-jährige Schwiegermutter eine lokale Infektion auf der Zunge und Fieber, das offensichtlich die Folge der Infektion war. Nach etwa 3 bis 4 Tagen haben wir erstmals davon erfahren, als wir sie anriefen, sie war ja bettlägerig und konnte sich nicht melden. Sie erzählte, dass sie Schmerzen und Fieber habe, das kommt und geht. Ich habe sie aufgefordert, einen Arzt zu konsultieren.
Ihr Hausarzt hat telefonisch gesagt, dass sie mit Fieber auf keinen Fall in die Ordination kommen dürfe, er würde die Behörde informieren, damit sie jemanden zum Testen schicke. Nun wusste ich, dass dies zu diesem Zeitpunkt bis zu zwei Wochen dauern konnte. So viel Zeit hatte meine Schwiegermutter nicht, da offensichtlich bereits eine Blutvergiftung vorlag. Auf mein Drängen hin rief sie nochmals an. Ihr Arzt verschrieb ihr per Ferndiagnose ein Antibiotikum und forderte sie außerdem auf, zum Schnelltest zu fahren, trotz Fieber, und zwar allein, damit sich niemand anstecke! Ich riet ihr davon ab, sie hat es trotzdem gemacht. Durch die Infektion war sie nicht mehr in der Lage, klar zu denken und Entscheidungen zu treffen. Der Test war negativ, trotzdem war keine Untersuchung durch einen Arzt möglich.

Es wurde nicht besser und wir riefen den Feiertagsnotdienst an. Natürlich machte der Arzt bei Fieber keine Hausbesuche. Ein neues Antibiotikum brachte keine Besserung. Sie konnte weder essen noch sonst irgendetwas tun. Wir versorgten sie, aber sie nahm sehr viel ab, wurde immer wirrer im Kopf. Ich konnte sie überreden, mit der Rettung ins Krankenhaus zu fahren. Man kündigte uns an, dass wir die Fahrt selber bezahlen müssten, da es sich um keinen Notfall handeln würde. Sie hätte ja schon längst zum Arzt gehen können. Als der Krankenwagen eintraf, waren die Sanitäter schockiert vom Anblick der Zunge. Natürlich sei das ein Notfall!

Die Infektion schritt unaufhörlich weiter voran. Im Krankenhaus wurde wieder ein Antibiotikum verschrieben und sie wurde nach Hause geschickt. So ging es weiter mit Kontrollterminen, bis sie derartig abgebaut hatte, dass ich sie nicht mehr allein lassen wollte. Ich begleitete sie zur Kontrolle (nicht mehr auf den eigenen Beinen, sondern im Rollstuhl) und pochte auf eine Aufnahme. Zu Mittag löste mich mein Mann dann ab und konnte eine Aufnahme aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes erreichen. Nun ging es mit unzähligen Untersuchungen los, verschiedene Ärzte wurden konsultiert, alle standen vor einem Rätsel. Antibiotika halfen nicht, Krebs war es auch nicht, sie hatten keine Ahnung. Schließlich stellte sich heraus, dass es eine seltene Gefäßerkrankung ist. Therapien, Cortison, sogar die Operation eines Aneurysmas folgten.

Es hat Wochen gedauert, bis man ihr die Behandlung nicht mehr verweigert hat! Der Leidensweg war lang und schmerzhaft, körperlich wird sie das nie wieder aufholen. Eine anstehende Knieoperation wurde deswegen verschoben, Muskeln sind weg, dabei bräuchte sie die dringend, um ihre Gelenke zu schonen und die Knieoperation gut zu verkraften. Aufgrund dieser Gefäßerkrankung hatte sie eine Lungenembolie. Teile ihrer Lunge sind nicht mehr intakt, sie ist kurzatmig, kann sich nur bedingt bewegen, hat einfach zu wenig Luft. Von Maskenbefreiung natürlich keine Rede! Die Zunge hätte sie fast verloren. Die Wunde heilte, aber es blieb eine Narbe, man merkt es beim Sprechen. Aufgrund ihres Gesundheitszustands ist sie nicht mehr in der Lage, gegen was, was ihr widerfahren ist, rechtlich vorzugehen.

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