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Offener Brief an Martin Kusej, Direktor des Wiener Burgtheaters

Als begeisterte Theaterbesucherin, die Ihr Haus aufgrund der aktuellen 2 G -Regelung nicht mehr besuchen kann, möchte ich Ihnen folgendes mitteilen:

Ende Oktober 2020, kurz vor dem zweiten Lockdown, schrieben Sie in einem Brief an die Abonnenten Ihres Theaters unter anderem: „..Kultur ist aber viel mehr, nämlich ein Gut, das von der öffentlichen Hand aus gutem Grund gefördert wird. Sie ist Nahrung für alle, und nimmt eine schützens- und erhaltenswerte Aufgabe für das Gemeinwesen wahr, ähnlich wie Schulen und Universitäten. Und sie ist das notwendige Korrektiv in einer lebendigen Demokratie. Gerade das macht sie natürlich systemrelevant…..Theater sind auch Orte für gedankliche Auseinandersetzung und für gesellschaftliche Debatte, die es vor allem in Zeiten wie diesen in einer Demokratie extrem braucht.“

Was ist nun aus diesem Korrektiv geworden? Aufgrund von undemokratischen und allen Grundrechten widersprechenden Verordnungen – die im Übrigen alle paar Monate ohne evidenzbasierte Grundlage geändert werden – sind bestimmte Menschen nun vom Theaterbesuch an Ihrem Haus ausgeschlossen.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage: „Aufgrund der Ankündigung des Wiener Bürgermeisters, aber auch und vor allem unter Einbeziehung unseres kulturpolitischen Auftrages werden wir ab 1. Oktober folgende Regelung umsetzen…“

Das ist also Ihr kulturpolitischer Auftrag – Menschen, zu denen übrigens auch meine 17 jährige theaterbegeisterte Tochter gehört, aufgrund von fragwürdigen und höchst umstrittenen Verordnungen auszugrenzen?

Ihre Antwort mag nun lauten, dass Sie sich an die Verordnungen halten müssen. Doch ein kulturpolitischer – und vor allem demokratischer – Auftrag einer öffentlichen Institution könnte auch bedeuten, die Stimme bei Ungerechtigkeit zu erheben. Wo ist die gesellschaftliche Debatte, die Sie vor einem Jahr noch eingefordert haben, wo das notwendige Korrektiv einer Demokratie?

Laut einer Meldung des ORF betrachtet der Geschäftsführer der Bundestheater, Christian Kircher, die 2-G-Regel als „strenge, aber notwendige Maßnahme“. Ich war seit meiner Jugend begeisterte Besucherin Ihres Hauses, habe grandiose Momente dort erlebt, Theatergrößen wie Gert Voss oder Ignaz Kirchner noch auf der Bühne erlebt. Doch durch Ihre (fehlende) Haltung haben Sie mich als Besucherin verloren – auch wenn sich diese unerträgliche Situation in absehbarer Zeit ändern sollte.

Mit besten Grüßen

Susanne Wolf

Journalistin und Autorin
 https://susanne-wolf.com/

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