Plattform RESPEKT

für Freiheit, Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit

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Wegen Maskenbefreiung von Lehrern und Mitschülern gemobbt

Ohne Maske bitte im Schulgebäude das Atmen einstellen!

Sonja Mayer aus Niederösterreich ist Unternehmerin, Pädagogin und Mutter eines zwölfjährigen Sohnes. Zudem engagiert sie sich bei einer Plattform, die Eltern unterstützt, die – wie sie selbst auch – ihre Kinder von der Schule abgemeldet haben und zuhause unterrichten.

RESPEKT: Sie haben Ihren Sohn von der Schule genommen. Was war der Grund dafür?

SONJA MAYER: Ich hatte schon mehrere Jahre den Eindruck, dass das Schulsystem, so wie es heute ist, meinem Kind nicht guttut. Mein Sohn war ein aufgeweckter, an allem interessierter und neugieriger Junge, der sich sehr auf die Schule freute. Leider musste ich dann beobachten, wie er Jahr für Jahr immer mehr abbaute und sich zu einem Kind entwickelte, dass Angst vor der Schule und vor der Lehrerin hatte. Während des ersten Lockdowns, und da ich als Einzige in der Klasse die Zustimmung zur Testung verweigerte, durfte ich dann im Distance-Learning beobachten, wie Lehrer ihren Unterricht gestalten und mit den Kindern umgehen. Und ich war teilweise entsetzt. Nachdem die Maskenpflicht an der Schule kam, und es für meinen Sohn auch aufgrund seiner Maskenbefreiung immer unangenehmer wurde, war die Situation für mich nicht mehr zu ertragen und mein Sohn wechselte zu Weihnachten 2020 ins Distance Learning.

Wie ist es Ihrem Sohn in der Schule aufgrund der Maskenbefreiung ergangen?

Schon vor der Einführung der Maskenpflicht an Schulen klagte mein Sohn über Kopfschmerzen, wenn er auch nur für wenige Minuten einen Mund-Nasen-Schutz tragen musste. Nachdem er nach einem kurzen Einkauf mit Maske in einem Lebensmittelgeschäft beim Bezahlen an der Kasse so stark zitterte, dass er kaum noch das Wechselgeld in sein Portemonnaie geben konnte, war für mich klar, dass ich die Gesundheit meines Sohnes mit allen Mitteln schützen werde und er nie wieder eine Maske tragen wird. 

Das Maskenbefreiungsattest sorgte dann für zahlreiche Diskussionen und übelstes Mobbing an seiner Schule. Er war der Einzige in seiner Klasse, der ein Maskenbefreiungsattest hatte. Zuerst versuchte der Klassenvorstand noch, mich davon zu überzeugen, dass ja alle die Maske tragen würden und dies „nicht so schlimm“ sei. Danach wurde von Seiten der Lehrerschaft und der Direktion Druck auf meinen Sohn ausgeübt, die Maske doch zu tragen. Dadurch sah ich mich zu mehrmaligen Gesprächen mit dem Direktor genötigt, in denen ich klarstellte, dass das Maskenbefreiungsattest zu akzeptieren sei. Mitschüler verlangten auch, dass mein Sohn ohne Maske nicht mitsingen dürfe, und am Ende setzte der Klassenvorstand meinen Sohn von seinem besten Freund weg, und er musste ganz alleine in der letzten Reihe sitzen. Und das, obwohl sein Freund gar kein Problem damit hatte, dass mein Sohn keine Maske trug. Das Mobbing der Mitschüler wurde von Seiten der Lehrerschaft in keinster Weise unterbunden, im Gegenteil. Einmal sagte sogar ein Lehrer am Gang zu meinem Sohn, dass er aufgrund der Maskenbefreiung aufhören solle zu atmen, solange er sich im Schulgebäude bewege.

Sie engagieren sich für eine Plattform, die Eltern berät, die ihre Kinder ebenfalls lieber zuhause unterrichten. Haben Sie im Zuge dieser Tätigkeit ähnliche Geschichten gehört bzw. welche Beweggründe hatten diese Mütter und Väter, ihre Sprösslinge von der Schule abzumelden?

Leider ja! Es scheint tatsächlich System zu haben, allen Eltern und Kindern, die nicht alle noch so sinnbefreiten Maßnahmen kritiklos hinnehmen und ihre Kinder schützen möchten, das Leben so schwer wie möglich zu machen. Mir wurden Fälle berichtet, in denen die Lehrer Maßnahmen durchsetzten, die noch nicht einmal in der Verordnung standen, Kinder als asozial beschimpften, sich weigerten Kindern im Distance-Learning Arbeitsmaterial zur Verfügung zu stellen und am Ende des Schuljahres sogar die Beurteilung verweigerten. Mir ist in der Vergangenheit kaum ein derartig eklatanter Mangel an Menschlichkeit und Mitgefühl begegnet, wie in den letzten 19 Monaten.

Wie sieht der Unterricht Ihres Sohnes seither aus?

Mein Sohn ist seit Anfang dieses Schuljahres im häuslichen Unterricht. Die Organisation ist für uns wesentlich einfacher als noch zu Zeiten des Distance-Learnings, weil wir uns Lernzeiten und -tempo frei einteilen können. Wir machen nicht nur Lernstoff sondern auch viel Gedächtnistraining und Lernmethodik. Wir konzentrieren uns auf Themenschwerpunkte, machen beispielsweise mehrere Wochen lang nur Mathematik als Schwerpunkt. Ich lege größten Wert auf vernetztes Denken, und so verbinden wir während des Mathematikschwerpunktes das Thema mit anderen Fächern. So kann er Zusammenhänge erkennen, verstehen und wirklich in das Thema eintauchen. Mein Sohn blüht gerade richtig auf. 

Haben Sie Bedenken, dass Kindern, die daheim unterrichtet werden, soziale Kontakte fehlen und sich dies auf ihre Entwicklung auswirken könnte?

Eher nicht. Möglicherweise kann das in Einzelfällen vorkommen, meine persönlichen Erfahrungen sind andere. Wir haben uns schon vorher mit Freunden getroffen und machen das auch weiterhin. Er hat durch die aktuelle Situation auch viele neue Freunde gefunden. Die Kinder treffen sich, spielen miteinander, machen verschiedene Projekte oder Sport. Mein Sohn möchte jetzt sogar einen Schachclub initiieren. Die ganze Diskussion mit den angeblich fehlenden sozialen Kontakten kann ich nicht nachvollziehen. Als wäre die Schule eine Art Partnervermittlung und die einzige Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, miteinander in Kontakt zu treten. Wenn man die Situation genau betrachtet, wird man feststellen, dass die sozialen Kontakte in der Schule oft auf wenige Minuten in den Pausen beschränkt und seit dem „social Distancing“ oft gar nicht mehr möglich sind.

Viele Eltern schließen sich nun zusammen und gründen Lerngruppen. Die Aussage von Bildungsminister Faßmann, dass dies nicht erlaubt sei, wurde mittlerweile widerlegt. Allerdings fordern Kinder- und Jugendanwaltschaften strengere Richtlinien, was den häuslichen Unterricht betrifft, und eine Gesetzesänderung diesbezüglich scheint nicht ausgeschlossen. Wie stehen Sie dazu? 

Ich finde Lerngruppen großartig. Die Äußerungen eines Herrn Faßmann, die – wie in diesem Fall – jeglicher Rechtsgrundlage entbehren, kann ich nicht mehr ernst nehmen. Was gibt es Besseres und Schöneres als in einer Gemeinschaft zu lernen und sich mit Gleichaltrigen auszutauschen? Ein Gleichaltriger kann ein Problem oft ganz anders und verständlicher erklären als ein Erwachsener und die Kinder unterstützen sich gegenseitig. Dass jetzt mit strengeren Richtlinien gedroht wird, war vorauszusehen, versuchen sie doch seit 19 Monaten jede Bewegung hin in Richtung physische und psychische Gesundheit und Selbstbestimmung zu unterbinden.

Das Gesetz stellt an den häuslichen Unterricht die Anforderung, dass er gleichwertig sein muss. Ist das der Fall, ist dieses Kriterium erfüllt – Punkt. Lerngruppen gab es schon immer – und wird es auch immer geben. Niemand kann einem mündigen Menschen vorschreiben, was er mit wem in seiner Freizeit macht. Ich bin generell kein Freund von staatlichen Richtlinien und Reglementierungen. Als erwachsener Mensch bin ich durchaus in der Lage, die Verantwortung für mein Leben und meine Entscheidungen zu übernehmen und möchte keinen übermächtigen Staat, der in alle Belange des menschlichen Lebens eingreift.

Was würden Sie sich in puncto Schule wünschen, bzw. was müsste sich ändern, damit Sie Ihren Sohn wieder an einer Schule anmelden?

Ich würde mir ein Schulsystem wünschen, in dem Werte wie Freiheit, Wahrheit und Menschlichkeit wieder zählen, Kinder Kind sein und gleichzeitig wachsen dürfen. Ein System, dass sie in ihrer Einzigartigkeit fördert und in ihrer Großartigkeit schätzt, Erfolge feiert, anstatt Fehler zu markieren, sie mit Freude entdecken, forschen und lernen lässt und nicht versucht, alle in die gleiche Norm zu pressen. Ich wünsche mir ein System, dass ihnen die richtigen Werkzeuge an die Hand gibt, leicht, mit Freude und gehirngerecht zu lernen. Lehrer, die mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren, sie nicht beeinflussen, sondern ihnen beibringen, sich nicht beeinflussen zu lassen. Ein System, dass sie lehrt, kritisch zu denken, Dinge zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und ihnen Mut gibt, ihren eigenen Weg zu gehen.

Vielen Dank für das Interview. Ihnen und Ihrem Sohn alles Gute!

Das Interview führte Freda K. Schmied

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