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Impfung von Oben – Brief an den Dompfarrer

Lieber Toni Faber,

lange habe ich hin- und her überlegt, ob ich Ihnen wirklich schreiben soll. Ich weiß, dass es vermutlich nichts bringen wird.

Ich bin auf den letzten Metern meines Erdenweges, bin alt und traurig über das, was in der Welt, auch in unserer unmittelbaren, passiert. Ich muss zusehen, wie die Kirche ihre Identität verschleudert und wie einen alten, abgetragenen Rock an den Nagel hängt. Anfang des Jahres habt Ihr einfach wochenlang die Gottesdienste ausgesetzt, uns Mühseligen und Beladenen die Teilnahme am Mahl des Herrn verweigert und jetzt bekommen wir – mit dem Segen von Oben? – sozusagen eine Kommunionergänzung in Form einer, durchaus zu Recht, in Frage gestellten Impfung in der Barbarakapelle. Das ist blasphemisch.

Mir wird schlecht, wenn ich mir das ansehe und durchdenke. Ich glaube, Ihr glaubt nicht mehr an die Botschaft Jesu, oder sie ist Euch gleichgültig, was auf dasselbe hinauskommt oder noch ärger ist.

Toni Faber, ich habe Sie trotz aller Differenzen immer auch geschätzt. Weil das so ist, schreibe ich Ihnen trotz meiner inneren Widerstände. Und auch weil ich gestern Abend in einem Konzert war und mit Corona-Maßnahmen-Skeptikern ins Gespräch kam. Die sagten zu mir: “Schreiben Sie ihm doch!“, und es hat mich berührt, dass auch diesen nicht so besonders kirchenaffinen Menschen, das wichtig schien.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Christl Picker

Wien, 24.08.2021

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