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Kollateralschäden im Medienbereich?

Aufmerksame Medien-Konsumenten werden zunehmend stutziger ob einer unübersehbaren, irritierenden Entwicklung in der österreichischen Medien-Landschaft. Zunächst kaum wahrgenommen, weil der Corona-Schock so tief saß, dass kaum jemand auf die Idee kam, die Qualität der Berichte zu hinterfragen, beschleicht heute viele großes Unbehagen im Hinblick auf die viel gepriesene Presse- und Meinungsfreiheit. Auf die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit der Medien, die auf den meisten Titelseiten als Garant für Qualitätsjournalismus angeführt wird.

Eine Aufarbeitung der journalistischen und medialen Kollateralschäden gefällig? Antworten auf Fragen zum Beispiel, wieviel Recherche-Arbeit geleistet wurde und werden durfte. Oder Antworten auf die Frage, warum Journalisten monatelang quasi in  „Homeoffice-Isolationshaft“ darben mussten, obwohl guter Journalismus auch den persönlichen Diskurs, die Debatte und das Ringen um noch bessere Informationsquellen benötigt. In Redaktionssitzungen etwa, die das Salz in der Suppe sein können, wenn es um thematische Auseinandersetzungen geht, um Check und Re-Check, um „Zund“ für eine oder das Aufdecken von einer Geschichte.

Wer hätte je gedacht, dass Berichte und Kommentare von Kurier, Krone und Falter austauschbar sein könnten? Ebenso jene von Presse und Standard. Oder die wichtiger Regional- bzw. Landesmedien. Wer hätte es vor zwei Jahren für möglich gehalten, dass Schlagzeilen, Statistiken und Foto-Auswahl so ähnlich werden, dass man das Gefühl bekommt, eine einzige Zeitung zu lesen, genügt?

  • „Pauschalverunglimpfungen und Pauschalverdächtigungen von Personen und Gruppen sind unter allen Umständen zu vermeiden.
  • Das Sammeln und Verbreiten von Nachrichten darf nicht behindert werden.
  • Gewissenhaftigkeit und Korrektheit in Recherche und Widergabe von Nachrichten und Kommentare sind oberste Verpflichtung“….

Kern-Botschaften des geltenden Ehrenkodex der österreichischen Presse…

In Corona-Zeiten hehre Ziele. Und fast ist man versucht, resignierend hinzuzufügen: Das war einmal. Die neue Normalität sieht auch im Medien-Alltag anders aus. Eben!

Politik und Behörden haben einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Verrohung und Verschluderung journalistischer Qualitäten in unserem Land.  Wenn es in einem demokratischen Land Pressekonferenzen von Regierungsmitgliedern gibt, bei denen keine Fragen gestellt werden dürfen, sollte man nicht zur Tagesordnung übergehen. Das muss als das gesehen werden, was es ist: eine völlig unzulässige unakzeptable Behinderung journalistischer Tätigkeit. Fragen, mit denen sich der Presserat insbesondere im Lichte von Corona intensiv beschäftigen müsste.

Die Medien als vierte Gewalt, als zentrales und hoch bedeutendes Kontroll-Organ, sind viel zu wichtig, als dass man sie einer völlig verkommenen Machtgesinnung und politischen Selbstüberschätzung opfern darf. Schon gar nicht hierzulande. Denn Kollateralschäden in der Medienlandschaft und in den Seelen guter Journalisten sind kein Kavaliersdelikt. So etwas rüttelt an den Grundfesten eines demokratischen Landes. Es darf nicht sein, dass Unabhängigkeit, Überparteilichkeit und journalistischer Ethos nur noch Lüge sind. Das wäre ein tödlicher Dolch-Stoß. Auch für die Mainstream-Medien.

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