Warum Eltern die Wirkung der C-19 Maßnahmen in den Schulen unterschätzen: Versuch über die Missbräuchlichkeit der Maßnahmenschulverordnung.
21. Juni 2021
von Sven Nicke

Viele Eltern waren erleichtert, als Herr Faßmann, Bundesminister für Bildung, die Wiedereröffnung der Schulen verkündete.1 Endlich können die Kinder wieder in die Schule gehen und ihr normales Leben führen. Die Eltern werden endlich von der Doppelbelastung aus Homeoffice und Kinderbetreuung daheim befreit. Also alles super. Oder?

So verständlich der Wunsch der Eltern, von dieser Bürde befreit zu werden, auch sein mag, so leichtfertig und naiv erscheint mir gleichzeitig das Vertrauen, das die Eltern in die Schule setzen. Warum? Viele Eltern scheinen sich keine großen Gedanken darüber zu machen, wie sich die Covid-19-Schulverordnung auf ihre Kinder mittel- und langfristig auswirken könnte. Auf von mir geäußerte Zweifel an den Maßnahmen höre ich oft Reaktionen wie: „Ois ned so wüd!“ oder „Jo eh, aber es kommt halt darauf an, wie du’s deinem Kind vermittelst.“

Kinder und junge Erwachsene brauchen ihre Eltern und die mit ihrer Fürsorge beauftragten Pädagog*innen, damit sie sie vor den schädlichen und gefährlichen Einflüssen dieser Welt schützen und damit sie als körperlich, psychisch und sozial gesunde Menschen in diese Welt hineinwachsen können. Dieses Schutzes und dieser Fürsorge bedürfen sie so lange, bis sie sich sicher als mündige Bürger*innen in der Welt bewegen können und selbst Entscheidungen fällen können, die ihrem Schutz und ihrem Wohlbefinden dienen. Solange Kinder und Jugendliche dies nicht können, sind die Eltern in der Verantwortung, es für sie zu tun.

Es gibt theoretisch zwei Wege, mein Kind vor Unbill in dieser Welt zu schützen. Weg 1: Ich beobachte, kontrolliere, verändere und räume notfalls die Welt aus dem Weg, um mein Kind vor der Welt zu schützen. Weg 2: Ich bringe meinem Kind bei, wie es sich sicher und erfolgreich in der Welt zurechtfinden kann, damit es selbst auf schwierige Situationen immer bessere Antworten finden kann. Denn ich weiß, dass ich nicht immer und überall für mein Kind die Welt kontrollieren können werde. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass der zweite Weg der weitaus praktikablere und realistischere ist.

Was sollte das Kind lernen, damit es sich sicher und zu seinem Wohlergehen in der Welt bewegen kann?  Zum einen muss es die ausgesprochenen (und unausgesprochenen) Spielregeln dieser Welt kennen und verstehen. Wer die Regeln der Naturwissenschaften und des menschlichen Zusammenlebens nicht kennt, kann nicht mitspielen. Zum anderen muss das Kind aber ein sehr klares Wissen und Verständnis von sich selbst haben, muss wissen, was zu seinem Wohlbefinden beiträgt und was nicht. Dieser zweite Punkt ist essenziell: Wenn man nicht weiß, was einem gut tut und was nicht, hat man wahrscheinlich große Schwierigkeiten, sich selbst in dieser Welt zu seinem eigenen Wohlbefinden und Schutz zu bewegen.

Wie lernt ein junger Mensch, sich selbst in der Welt zu steuern? Der junge Mensch lernt unter anderem, sich selbst zu steuern, indem er Erfahrungen im fühlenden Kontakt mit seinen ihm innewohnenden Impulsen, Bedürfnissen und Gedanken, den Anderen und der Welt, den eigenen Entscheidungen und den daraus resultierenden Handlungen samt Ergebnissen sammelt. Er erlebt so, dass sein Handeln eine Wirkung hat und entwickelt ein Vertrauen in diese Fähigkeit, auf sich selbst einzuwirken. Dies nenne ich Selbstbestimmtheit oder Autonomie. Neben dem stärksten Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz, dem Überlebensinstinkt, repräsentiert durch Mama, gibt es noch das nur um weniges schwächere Bedürfnis, aktiv die Welt zu erkunden, ihr zugehörig zu sein und auf sie einzuwirken. Auch diese könnten verstanden werden als Aktivitäten, die später das (Über-)Leben in der Welt sichern sollen.

Der heranwachsende Mensch erlebt sich als Handelnder und erfährt so, wer er ist und was er will. Über dieses Erleben formt er eine Identität, die es ihm erlaubt, sich als selbstbestimmter und verantwortungsvoller Gestalter seines eigenen Lebens zu erfahren. Er wird stark und handlungsfähig im Umgang mit sich, den Anderen und der Welt. „Stark“ heißt hier übrigens nicht, dass er ins Fitnessstudio geht und Eisen verbiegt, um sich mit dem Körper von Arnold Schwarzenegger in Conan der Barbar zu identifizieren. Ich meine: Innerlich stark.

Was kann diese positive Entwicklung der Identität negativ beeinträchtigen oder gar verhindern? Wenn die Autonomie des Kindes, also die Fähigkeit, über sich selbst bestimmen zu können, massiv beschädigt wird, können sogenannte traumatische Erfahrungen entstehen, die es dem Kind fortan schwer bis unmöglich machen, in positiven Kontakt mit sich selbst und der Welt zu treten und sich in ihr sicher zurechtzufinden. Dies kann durch besonders schmerzhafte und dramatische Einzelereignisse im Leben des Kindes geschehen, aber auch durch regelmäßig sich wiederholende Verletzungen der kindlichen Autonomie.2 Besonders deutlich wird dies am Beispiel des sexuellen Missbrauchs: Kinder haben gegenüber den Täter*innen keine Chance, ihre Selbstbestimmung zu behaupten. Denn entweder können sie sich körperlich nicht gegen Übergriffe wehren oder sie sind derart manipuliert worden, dass sie gar nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Bei letzterem bleibt eine diffuse psychische Verstörtheit bestehen, die im späteren Leben schwere psychische Leiden verursachen kann. Dies gilt sowohl für dramatische Einzelereignisse als auch sich ständig wiederholende scheinbar niederschwellige Ereignisse.

Es ist bisher immer klar gewesen, dass Eltern ihre Kinder vor derartigen negativen Übergriffen schützen möchten. Wie stärken wir also die erst im Wachsen bzw. Aufbau befindlichen autonomen kindlichen Grenzen? Um Kinder vor dem oben geschilderten Missbrauchsverhalten anderer zu bewahren, lernen Kinder über ihre Eltern oder in der präventiven Sexualpädagogik von Bildungseinrichtungen schon sehr früh folgende Grundsätze3:

  1. Mein Körper gehört mir! Hierzu gehört Körperwissen und das sprachliche Vermögen, das auszudrücken.
  2. Ich vertraue auf mein Gefühl! Ich höre auf meine Gefühle, sie sind wichtig und richtig, ich darf ihnen vertrauen.
  3. Ich habe das Recht, NEIN zu sagen, wenn es um meinen Körper, meine Seele geht.
  4. Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen. Angenehme Berührungen können unangenehm werden und dann sage ich STOP!
  5. Es gibt gute und schlechte Geheimnisse. Schlechte Geheimnisse darf ich weitersagen, das ist kein Petzen!
  6. Ich darf mir Hilfe holen!!

In meinen Augen ist der Umgang mit den Körpern und Psychen der Kinder im Rahmen der Covid-19-Maßnahmen ebenfalls missbräuchlich. Selbstverständlich will ich die beiden Arten des Missbrauchs nicht „gleichsetzen“ oder das Leid, das durch sexuelle Übergriffe entsteht, verharmlosen. Ich weiß, wie unappetitlich mein Vergleich mit sexuellen Vergehen an Kindern ist, aber strukturell werden Sie nicht umhinkommen, eine gewisse Parallelität zu erkennen.

Wie steht es nun um die kindliche Autonomie im Zusammenhang mit den Covid-19-Maßnahmen an den Schulen?

1. Mein Körper gehört mir: „Ja, schon. Aber wenn ich weiterhin mitmeinen Klassenkamerad*innen zusammen sein will, muss ich zulassen, dass mir ein Stäbchen tief in die Nase eingeführt wird oder ich werde gezwungen, diese Handlung an mir selbst auszuführen. Ich kriege zwar nur sehr schlecht Luft unter meiner Maske, aber ich muss sie ja tragen, sonst meckern alle.“ Sie sollten wissen, dass es sich beim Test um einen invasiven medizinischen Eingriff handelt, für den laut Beipackzettel weder das Kind noch die Lehrperson noch Sie ausgebildet und ausgerüstet sind, der nicht zu diesem Zweck entwickelt wurde und bei dem für auftretende Schäden niemand haftbar gemacht werden kann. Es handelt sich dreimal wöchentlich um eine erzwungene Selbstverletzung der Nasenschleimhaut, denn nur so kann reguläres Probenmaterial entnommen werden. Die mittelfristigen Folgen können Entzündungen in der Nasenschleimhaut und ein vereinfachtes Eintreten von Bakterien und Viren über die Nase sein. Wenn Sie den Test manipulieren, indem Sie Ihrem Kind sagen, es soll ihn nicht richtig mitmachen, helfen Sie zwar Ihrem Kind, sorgen aber gleichzeitig dafür, dass die sinnlose Testerei immer weiter geht und dass die Ergebnisse vollkommen unzuverlässig sind. Die Pharmaindustrie freut sich, dass Sie den Körper Ihres Kindes für dieses Bombengeschäft, dem Sie durch Ihre Unterschrift freiwillig zugestimmt haben, zur Verfügung stellen. Wie? Das haben Sie nicht freiwillig getan? Ihr Kind müsste sonst zu Hause bleiben und dürfte nicht die Schule besuchen? Wie finden Sie das eigentlich? Ist das nicht Nötigung nach §105 StGB? Verstößt das nicht gegen das Recht Ihres Kindes auf Bildung? Und die Bildungsdirektionen und Herr Faßmann spielen da mit?

Auch die Maske stellt einen tiefen Eingriff in die autonome Selbstbestimmung Ihres Kindes über seinen eigenen Körper dar. Würden Sie die Kinder rundheraus fragen, ob sie lieber Maske tragen würden oder nicht, wenn sie sich frei!, also autonom, äußern könnten, was würden Ihre Kinder eigentlich sagen?

2. Meine Gefühle sind wichtig und richtig, ich darf ihnen vertrauen: „Ich habe solche Angst, in die Schule zu gehen. Aber Mami und Papi haben solche Angst vor dem Coronavirus und wollen so sehr, dass ich wieder in die Schule gehe. Ich mag nicht hingehen, aber ich will natürlich, dass Mama und Papa glücklich und stolz sind. Dafür tue ich alles und bin tapfer! Ich lasse mir nichts anmerken.“ Oder: „Ich fühle mich eigentlich ganz gesund, aber genau weiß ich es natürlich erst, wenn das Testergebnis da ist. Hoffentlich bin ich negativ! Was werden die anderen sagen, wenn der Test positiv ist? Bin ich dann gefährlich? Oder schlecht?“ Die eigenen Bedürfnisse und Gefühle wirklich wahrzunehmen und benennen zu können, ist eine der schwierigsten Aufgaben für Heranwachsende und Erwachsene, oftmals ein Leben lang! Dafür müssen sie in Kontakt mit ihrem Körper und ihren Gedanken sein. Das erfordert Ruhe und Introspektion (die Fähigkeit, in sich hineinzuspüren), zwei der Geheimnisse der Selbststeuerungsfähigkeit. Was passiert, wenn ich nicht mehr lerne, auf meinen Körper zu hören, z. B. auf Schmerz und andere unangenehme Gefühle und Gedanken, die Geist und Körper mir senden, um mir etwas mitzuteilen? Was passiert, wenn ich anfange, dem Test mehr zu vertrauen als meiner Selbstwahrnehmung über meinen Gesundheitszustand, der Wetter-App mehr als dem Blick aus dem Fenster, dem Navi mehr als der Landschaft, der Smartwatch mehr als meinem aktuellen Körpergefühl, den Geschichten in Zeitungen und im Internet mehr als meinem eigenen Urteilsvermögen und meinen eigenen Untersuchungen? Nun, dann lasse ich mir zunehmend von außen sagen, wie es um mich steht. Nicht ich nehme Besitz von mir, sondern andere tun das für mich. Nicht ich stelle fest, wie es mir geht, sondern der Test. Spannend, nicht wahr? Kann ich meinem Gefühl (noch) vertrauen oder nicht? Der Test wird es mir gleich sagen. Ich lasse mich von außen lenken. Neu ist dabei, dass dies nun bis in die intimsten Bereiche meines Körpers hinein geschieht, dem Gesundheitszustand, indem ich direkte physische Eingriffe an meinem Körper zu diesem Zweck zulasse, ohne groß darüber nachzudenken. Hierbei wird auch etwas sehr Privates und Intimes öffentlich gemacht, was vorher eigentlich nur meinem Vertrauensarzt und mich etwas anging. Kinder lernen so, ihren eigenen Wahrnehmungen nicht mehr zu vertrauen, auf keinen Fall lernen sie aber, sich selbst zu steuern.

3. Ich habe das Recht, NEIN zu sagen, wenn es um meinen Körper geht: „Das Stäbchen tut mir wirklich weh und unter Maske wird mir immer so schwindelig und ich werde so müde, dass ich mich gar nicht mehr konzentrieren kann. Aber ich muss ja zur Schule und will auch zur Schule.“ Natürlich kooperieren Kinder, wenn die Erwachsenen, auf deren Verantwortungsgefühl und Urteilsvermögen sie angewiesen sind, ihnen erklären, dass sie sich an alles halten müssen, was die Schule ihnen abverlangt. Kinder wollen gut sein und sind in der Lage, ihre Bedürfnisse und Gefühle für diesen Zweck über lange Zeit hinweg zu unterdrücken. Zumal, wenn die kleinen Hasenohren ständig gesagt bekommen, wie schlimm derzeit alles ist. Das Kind wird in den inneren Konflikt gebracht, zwischen der Berechtigung auf Ausdruck und Berücksichtigung seiner Gefühle und der Kooperation mit den Menschen, von denen es sehr abhängig ist (Mami, Papi, Lehrerin), wählen zu müssen. Wie würden Sie sich entscheiden, wenn Sie zwischen Überleben und freiem Selbstausdruck wählen müssten? Und was macht das mit der Fähigkeit Ihres Kindes, sich selbst steuern zu lernen? Langfristig spalten die Kinder diese Gefühle ab, um ihr Überleben zu sichern, d.h. sie verdrängen, dass diese Dinge ihnen körperlich oder seelisch wehtun, ihren Bedürfnissen und Gefühlen entgegenlaufen. Ihr Kind „vergisst“, dass es eigentlich eigene Bedürfnisse hat und die Erwachsenen freuen sich, wie brav und vernünftig der liebe Bub in dieser schwierigen Zeit ist. Die Rechnung kommt ein paar Jahre später, aber seien Sie sicher: sie kommt! In Form von unguten Lebensentscheidungen, Neurosen, Selbstverlust, Depression, Selbstzweifel, Hilflosigkeit etc., je nach Schwere der erzwungenen Anpassung.

4. Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen! Angenehme Berührungen können unangenehm werden und dann sage ich STOP! „Stop sagen? Ich? Auf keinen Fall, denn dann kann ich ja nicht mehr zur Schule gehen, nicht meine Freunde sehen und meine Eltern sind dann auch genervt. Besser, ich beiße die Zähne zusammen und halte durch!“ Das Kind duldet den unangenehmen Eingriff in seine körperliche Autonomie (Test; Maske, Impfung) gegen seine eigenen Gefühle, seine eigene Meinung, sein besseres Wissen. Dieser körperliche Übergriff durch Test, Maske, Handygiene und Bodenmarkierung wird vereinfacht durch das staatliche Hilfspersonal, das als Autorität daneben steht und gar nicht viel zu sagen braucht, um die Durchführung des erwünschten Verhaltens durchzusetzen. Es handelt sich sogar um eine doppelte Kontrolle: einmal die soziale Kontrolle durch die anderen im Raum bei der öffentlichen Testung (irgendwann gab es einmal den Erlass, dass Lehrer*innen den Klassenspielgel bei Schularbeiten nicht mehr an die Tafel anschreiben durften, wegen Datenschutz und so. Und jetzt das!). „Ich muss es machen wie die anderen, sonst mobben die mich.“ Viel schwerwiegender ist aber die Kontrolle durch das Lehrpersonal, das als Autorität die Durchführung der Tests von den Kindern einfordert. Sind sie darin ausgebildet, diese Tests anzuleiten? Nein. Ihre einzige Funktion ist aufzupassen, dass wirklich ALLE den Test ordentlich durchführen! Und wer es nicht „ordentlich“ macht? Dem wird „geholfen“. „NEIN sagen, wenn es sich nicht gut anfühlt? Bist deppat?“ Sagt Papa auf der Arbeit NEIN zu Teststraßen und Impfungen? Nein, er ist schließlich abhängig von seinem Arbeitgeber. Das berühmte Milgram-Experiment hat bewiesen, dass es genügt, wenn eine Autoritätsperson neben einer Teilnehmerin steht, die selbst nichts anderes tut, als dieser erwachsenen(!) Person zu sagen: „Fahren Sie bitte fort“, um sie dazu zu bringen, einer im Nebenraum befindlichen Person tödliche 400 Volt starke Stromschläge zu verabreichen. Wird ihr Kind also ganz ehrlich STOP sagen, wenn es ihm mit den Maßnahmen nicht gut geht?

5. Es gibt gute und schlechte Geheimnisse. Schlechte Geheimnisse darf ich weitersagen! „Auf keinen Fall werde ich verraten, dass es mir mit der Maske und den Tests nicht gutgeht. Das bleibt mein Geheimnis! Sonst kriege ich noch Ärger mit den Lehrern. Meinen Eltern sage ich auch nichts. Ich will nicht, dass sie schimpfen oder sich Sorgen machen. Ich muss sie doch unterstützen in dieser schwierigen Zeit.“ Was glauben Sie: Wenn Ihr Kind alles mitträgt, was Sie sich wünschen, damit es in Ihrer Familie wieder „normal“ zugehen kann. wird es Ihnen schlechte Geheimnisse anvertrauen? Ich hoffe und wünsche es Ihnen wirklich von ganzem Herzen. Aber bei wievielen wird es wohl eher nicht der Fall sein?

6. Ich darf mir Hilfe holen! „Mir geht es echt nicht gut, aber meine Eltern sollen sich keine Sorgen machen. Der Lehrerin sage ich lieber nichts, die ist ja voll dafür. Aber wem soll ich es denn sagen? Die anderen in der Klasse mobben ja jeden, der was dagegen sagt.“ Ich hoffe und wünsche Ihnen ebenfalls, dass Ihr Kind bereits so stark, selbstbestimmt und handlungsfähig ist, dass es für sich eintreten kann, indem es sich Hilfe holt. Ich frage mich aber auch, bei wievielen Kindern das nicht der Fall ist und wieviele in stiller Verzweiflung gar nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen, wenn Eltern, Lehrer und Klassenkameraden das alles gut und richtig finden, was derzeit in den Schulen passiert.

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass vermutlich nicht wenige Kinder derzeit lernen, ihre Bedürfnisse nach Selbstbestimmtheit über die Grenzen ihres eigenen Körpers und den Schutz ihres Wohlbefindens und ihrer Gefühle zu verleugnen, zu unterdrücken und abzuspalten. Kinder wollen gut sein und opfern sich, wenn es sein muss, komplett für die Bedürfnisse der Menschen, denen sie vertrauen und die sie lieben. Wie sollten sie auch anders? Schließlich sind sie ja noch komplett auf die Fürsorge ihres Umfelds angewiesen. Deshalb können sie sich auch jetzt nicht gut gegen Übergriffe der Erwachsenenwelt in ihre persönliche Autonomie wehren.

Zum direkten Übergriff auf die körperliche und seelische Autonomie des Kindes kommt die Konditionierung des Verhaltens dazu: Händewaschen, Abstandhalten, Aufstellen nach Markierungen im Hof, Bewegen innerhalb des Schulgebäudes nur auf vorgegebenen Wegen, verpflichtendes Tragen der Maske in bestimmten Bereichen des Schulgebäudes. Bei Nichtbefolgung scharfe Sanktionierung. Dieser Verhaltensdrill tut ein Übriges, um das autonome Verhalten des Kindes in seiner Entwicklung zu stören. Kindliches Spiel und kindliche Spontaneität, wesentliche Faktoren für eine gesunde Entwicklung, werden von außen unterdrückt. So wird die streng regulierte Außensteuerung des Kindes immer allumfassender. Die Gewöhnung an den Drill geht schnell. Pawlow und Skinner4 haben für dieses operante Konditionieren die Instrumente geliefert. Ein Großteil des eingeübten „richtigen“ Benehmens ist der Bevölkerung schon in „Fleisch und Blut“ übergegangen: Wenn U-Bahn (unkonditionierter Reiz) dann Maske (konditionierter Reiz) aufsetzen (konditioniertes Verhalten). Kurz: U-Bahn=Maske, Geschäft=Maske, Arbeit=Test. Das haben alle gut gelernt. In der Schule ist das auch so, nur intensiver und täglich. Da muss man/frau sich (Gottseidank?) keine Fragen mehr stellen. Demnächst heißt es dann: Leben=Impfung. Prima, nicht? Es ist alles so (verlockend) einfach!

Ein weiteres Merkmal ist die visuelle Prägung des schulischen Raumes durch Plakate, Bodenmarkierungen, Masken, Desinfizierungsspender und Tücher: Kein Kind kann somit jemals vergessen, was Thema ist. Das Unterbewusstsein wird so stets erneut auf die riskante Situation in der Schule hingewiesen. Die Kinder werden auf die Gefahr hin geprimt5. Das Unterbewusstsein ruft uns zu: „Da Gefahr!“, „Achtung“, „Schütz dich“. Das ist eine massive Manipulation nicht nur der kindlichen Psyche durch die Umgebung. Es hält auch den Stresslevel der Kinder hoch, ganz so wie die tägliche Heute- und Ö24-„Zeitung“. Bei Montessori gibt es ebenfalls eine „vorbereitete“ Umgebung, nur mit anderen Vorzeichen, nämlich konzipiert als eine Einladung zum Lernen. Ob bei diesen Maßnahmen immer noch eine Einladung zum Lernen vom Kind wahrgenommen wird? Ich bezweifle es.

Schließlich gibt es noch das Verhalten der Lehrer*innen, das sich auf die Kinder auswirkt. Ob maßnahmenkritisches Lehrpersonal die oben genannten Effekte reduzieren kann? Wie wirkt sich das Verhalten der Corona-Maßnahmen-Befürworter*innen im Lehrkörper, denen die Maßnahmen gar nicht weit genug gehen können („Wenn du nicht die Maske trägst, sterben vielleicht deine Eltern oder Großeltern!!!“), auf die Kinder aus? Und jene, denen alles wurscht ist, inklusive der Kinder? Und wie geht es den Lehrer*innen eigentlich? Sind die gestresst und überfordert durch die ganze Situation und lassen das nun an den Kindern aus? Oder sind sie ganz verzweifelt und wissen nicht, was sie noch tun können unter solchen Bedingungen und ob das noch der Beruf ist, den sie einmal (hoffentlich) mit Liebe und Leidenschaft ausgeübt haben? Können sie eigentlich noch „normal“ agieren? Aber unsere Kinder stecken das alles problemlos weg?

Ich komme zu dem Ergebnis, dass ein Schulsystem, dass nicht einmal bereit oder in der Lage ist, die von mir oben genannten zur Kernkompetenz gehörenden Punkte des pädagogischen Handelns und Wissens im Umgang mit den Schutzbefohlenen Ernst zu nehmen, kein Ort sein kann, dem ich mein Kind anvertraue.

Bei der irrtümlich so genannten „Impfung“, die eine nicht zu Ende erforschte Schnell-/Notfallzulassung mit teilweise. schweren Nebenwirkungen und Spätfolgen ist6 gibt es nun die nächste Gelegenheit, über die körperlichen und seelischen Grenzen der Kinder hinwegzugehen. Egal ob durch Überredung, Appell an die Vernunft des Kindes oder Manipulation, sei es für Mama, Papa, Oma, Opa, die Gesellschaft oder Österreich. Meines Erachtens freut sich die Pharmaindustrie bereits darauf, 2,2 Millionen junge Menschen impfen zu dürfen und damit (endlich) den „Markt“ in Richtung junge Menschen erweitert zu haben. An den ethischen Problemen wird gerade noch medial nachgearbeitet7

Ich habe versucht, darzulegen, warum ich die Covid-19-Schulmaßnahmenverordnung für missbräuchlich halte. Ich hoffe, damit Schaden von Ihnen und Ihren Kindern abwenden zu können. Zumindest möchte ich dies nicht unversucht gelassen haben. Ich tue dies spät, weil ich mich sehr über die Ausgrenzung, Diskreditierung und Herablassung gegenüber den Andersdenkenden in dieser Krise geärgert habe.

Sie sind für Ihr Kind verantwortlich. Sie sind Expertin und Experte für Ihr Kind. Sie wissen, was gut für Ihr Kind ist. Weiß Ihr Kind auch, was für es selbst gut ist? Und woher weiß Ihr Kind das?


1https://www.kleinezeitung.at/international/corona/5970551/Praesenzunterricht-ab-17-Mai_Fassmann_Empfehle-Maturanten-ein

2 z.B. Bessel van der Kolk: Verkörperter Schrecken: Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann, G.P. Probst Verlag, Lichtenau; 7. Edition (4. März 2021)

3https://www.bdkj.org/fileadmin/bdkj/05_Themen/Sexualpaedagogik/BJR-SexuelleGewalt_BS3.pdf

4https://memucho.de/Angstkonditionierung/950

5https://lexikon.stangl.eu/1378/priming

6https://respekt.plus/2021/05/21/aktuelles-schreiben-von-sucharit-bhakdi-ueber-die-covid-impfstoffe/

7 z.B. hier: https://oesterreich.orf.at/stories/3104361/.

Sven Nicke

Sven Nicke lebt mit seiner Familie in Wien und ist Vater eines neunjährigen Sohnes. Er hat über 20 Jahre als Gymnasiallehrer „an“ und „mit“ Schulen in Deutschland und im Ausland gearbeitet, gelebt und gelitten. Zur Zeit ist er Mitglied im Bildungsteam der Plattform Respekt.plus.

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