JETZT SPRICHST DU: Ungefilterte Kommentare von Kindern und Jugendlichen über ihre psychische Gesundheit in der Pandemie. Teil 1: Volksschulkinder
01. Juni 2021
von Univ.-Prof. Dr. Manuel Schabus

Univ.-Prof. Dr. Manuel Schabus und MSc. Esther-Sevil Eigl befragten in ihrer groß angelegten Studie JETZT SPRICHST DU Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren, wovor sie sich zurzeit besonders fürchten, was sie wütend und traurig macht.

Am Ende der Fragebögen durften die Heranwachsenden in eigenen Worten ihre Situation anonym schildern. Die Plattform RESPEKT möchte eine kleine Auswahl der mehr als 4.000 Kommentare hier vorstellen. Im ersten Artikel kommen die Volksschülerinnen und Volksschüler zu Wort.

Anmerkung der Redaktion: Die Plattform RESPEKT sieht die Corona-Maßnahmen kritisch. Manche der Kinder tun dies nicht, sondern fordern hingegen weitere Verschärfungen und höhere Strafen. Wir haben uns entschieden, auch diese Kommentare hier abzudrucken – im Zeichen der Transparenz, der wir uns verpflichtet haben, und um die Innenwelt der Kinder umfassend abzubilden.

Gruppe 1: Volksschulkinder (6-10 Jahre)

Was waren die Gründe dafür, dass dir Home-Schooling weniger gut gefällt ? (z.B. schlechte Internetverbindung, Freunde nicht treffen, abgelenkt durch Geschwister etc.):

Das Stunden lange vor dem Laptop/Computer zu sitzen. Irgendwann tun die Augen weh und ich möchte KEINE Brille bekommen!

Mama telefoniert immer für die Arbeit so viel und hat dann keine Zeit für mich. Ich muss alles alleine machen. Meine Freundinnen fehlen mir sehr. Es ist langweilig zu Hause wenn niemand Zeit hat.

Wenn dich noch etwas anderes besonders nervt, kannst du es hier angeben:

Die krenzen sind geschperrt

Hände Desinfektionsmittel Hände schon sooo rauh

Wenn ich von Menschen auf der Straße angeschrien werde ich solle mehr Abstand halten

Was geht dir ganz besonders ab?

Dass ich nicht zu Oma und Opa kann. Die sind auch schon älter und ich mag sie nicht anstecken.

Geburtstag feiern. Ich bin gerade 10 geworden und darf keine Party machen.

Meine Tante und Cousinen aus Deutschland hab ich schon sehr lange nicht mehr getroffen. Meine andere Tante hat so Angst vor Corona, dass ich das Baby noch nie gesehen habe.

Zukunftsaussichten

Liegt dir noch was auf dem Herzen, was du uns bzw. den Politikern sagen willst?

Bitte könnten sie einmal eine Online Umfrage, welche Regeln gut sind, und welche nicht. Dann könnten wir vielleicht darüber diskutieren, welche Regeln gut sind, und welche nicht.

Dass man Coronaregeln schon machen sollte, um zu helfen, aber nicht um die Leute traurig zu machen.

Habe Antikörper obwohl ich seit 1,5 Jahren nicht mehr krank war. Mein Opa mit Lungenschäden hatte Corona nur ganz leicht. Ich weiß, daß andere sterben, aber deswegen kann doch auch nicht immer so weitergemacht werden.

Ich bin Emma, 8 Jahre alt, und ich möchte endlich wieder alle lachen SEHEN !

ICH MÖCHTE, DASS MEINE GRSCHWISTER UND ICH WIEDER GANZ NORMAL IN DIE SCHULE GEHEN DÜRFEN!!! DIESE NACHRICHT SOLL AN DEN HERRN BUNDESKANZLER WEITERGELEITET WERDEN. MIT FREUNDLICHEN GRÜßEN.

Ich verstehe sie nicht warum sie das tun – sie haben sicher noch keine Kinder oder es fehlt ihnen ein Herz.  Ich würde mich schämen. Meine Urli ist schon tot – die hätte sich das nicht gefallen lassen.

Ihr habt meine Mama so oft zum weinen gebracht wegen euren übertreibungen. Meine Eltern ärgern sich sehr, weil im Fernsehen und in den Zeitungen nie kritische Wissenschaftler zu Wort kommen.  Wir sind so froh, das oma und opa nicht im Heim sind und sie bei uns im Haus leben.

Liebe Politiker bitte Haltet auch ihr euch an die Regeln und erfindet nicht immer neue unsinnige Regeln die ich nicht nachvollziehen kann.  Warum sind die Regeln in anderen Ländern anders und es funktioniert trotzdem?

Tut etwas, damit sich wirklich alle an die Regeln halten. Es sollte viel mehr kontrolliert und bestraft werden. Manche merken es sich erst dann.

Warum werden die Leute weggesperrt? Ich darf meine Oma und Opa kaum sehen, das ist doof!  Warum sind die Polizisten so gemein zu den vielen Leuten die spazieren gegangen sind, sie haben nichts Böses gemacht. Ich dachte die Polizei beschützt uns, aber ich habe ein Video gesehen wo ein Bub auf den Boden gedrückt wird von ganz vielen Polizisten, und von einen alten Mann der ganz viel geblutet hat am Kopf weil die Polizei ihm wehgetan hat. Die Polizei macht mir jetzt Angst, ich habe Angst das sie meiner Mama weh tun werden, wenn meine Mama mit den vielen Leuten mit spazieren geht. Diese Ständchen für die Nase finde ich nicht gut, ich könnte ja auch spucken aber das wollen die Lehrer nicht sagt Mama, deswegen soll ich zuhause bleiben. Mama lernt viel mit mir und es macht Spaß wie meine Mama mir die Dinge erklärt die ich nicht verstehe, die sagt auch das Schule wichtig ist und ich für mein Leben lernen soll. Aber ich darf ja nicht in die Schule die Lehrer lassen mich nicht in die Schule ohne den Test, werde ich jetzt dumm?  Mama sagt ich bin faul, das finde ich nicht, aber ich bin klug und lerne schnell und das ist gut. Mama sagt man darf auch manchmal dumm sein man muss sich nur zu helfen wissen. Oder am liebsten sagt sie: dumm ist der, der dummes tut. Ich finde der Mann im Fernsehen ist dumm. Er macht viele dumme Sachen.

Bild

CDC/Unsplash

Univ.-Prof. Dr. Manuel Schabus


Manuel Schabus ist Universitätsprofessor und Schlafforscher am “Centre for Cognitive Neuroscience” der Universität Salzburg. Neben dem Aufbau des Schlaflabors an der Universität hat er zahlreiche international beachtete Beiträge zur Schlaf-, Bewusstseins-, und Gedächtnisforschung veröffentlicht. Er wurde als erster Psychologe mit dem renommierten START-Preis des FWF ausgezeichnet. Zu seinen Fachgebieten und erklärten Zielen gehören neben der Gehirnforschung die Behandlung der Schlaflosigkeit (sog. Insomnie) und die Förderung des gesunden Schlafes in einer zunehmend rastlosen Gesellschaft. Als Praktiker ist er als personzentrierter Kinder- und Jugendpsychotherapeut ausgebildet und leitet Forschungsprojekte zur frühkindlichen Interaktion und Bindungsforschung.

Msc. Esther-Sevil Eigl promoviert an der Paris-Lodron-Universität Salzburg im Bereich Kognitive Neurowissenschaft und arbeitet im Labor für Schlaf- und Bewusstseinsforschung.

Kontakt

3 + 8 =

Newsletter

Tragen Sie sich in unsere Mailingliste ein und erhalten Sie regelmäßig Informationen über unsere Arbeit.

Send this to a friend