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Die Denunziation von Kritikern fördert eine Blockwartmentalität

Unlängst hatte ich einen Pediküre-Termin fixiert. Ich habe eine Maskenbefreiung und einen Antikörpertest, der bis Ende Mai gültig ist. Trotzdem erhielt ich am Vorabend eine Nachricht der Fußpflegerin, in der sie mir mitteilte, dass sie erfahren habe, dass ich zu den Initiatoren der Coronademos in Bregenz zähle. Ich war vor zehn Tagen von Vorarlberg Heute zur Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen interviewt worden, was ihr im örtlichen Pflegeheim mitgeteilt worden war. Deshalb möchte sie den Termin absagen, es sei ihr zu riskant, da sie und ihr Mann Risikopatienten seien und sie ihren krebskranken Bruder pflege. Ich könnte ja „ungewollt“ das Virus weitergeben. Sie begründete ihre Angst mit dem kursierenden Gerücht, dass eine Kindergärtnerin auf der Demonstration war und es verbreitet hätte, was zur Sperre des Leiblachtals für die Dauer von einer Woche führte. Sie entschuldigte sich höflich für ihre Absage. Ich habe den Vorfall zuerst nur ein paar engen Freunden erzählt, weil ich glaubte, dass es ein einzelner Fall von Uninformiertheit gewesen sei.

Am kommenden Tag widerfuhr mir noch Schlimmeres: Als ich einen Großmarkt verließ, wurde ich von einer Verkäuferin höflich gefragt, warum ich keine Maske trage. Ich antwortete: „Im Freien? Außerdem habe ich eine Maskenbefreiung.“ Daraufhin wurde ich von einem etwa siebzig Jahre alten, angstbefallenen Herrn in despektierlicher Art und Weise angepöbelt: „Sie gehören zu denen, die als Spreader, verantwortlich für die Schließungen sind, Sie Arschloch!“ Die Nerven liegen blank, nicht zuletzt, weil die Medien mit ihren diffamierenden Berichten über Kritiker suggerieren, dass diese für den Fortbestand der Maßnahmen verantwortlich sind. 

Als heute von meiner Nachbarin, studierte Gattin eines Arztes, vor dem Haus auf die Schließung des Leiblachtals Bezug genommen und ebenfalls die anonyme, unbestätigte Schuldzuweisung an die Kindergärtnerin getätigt wurde, konnte ich mein Entsetzen über die Verbreitung unbestätigter Vermutungen nicht verbergen und beschloss die Erfahrungen einer Woche auf Papier zu bringen. Mein Blut geriet gestern Abend schon in Wallung, als ich vernahm, dass mit Mitternacht die nächste Talschaft abgeriegelt werden sollte (Ausreisende können dann nur mit negativem Test ins Rheintal reisen). Die Strategie ist einfach: In beiden Fällen müssen nur ein Tunnel und eine Straße gesperrt werden; damit können wieder tausende Impfunwillige zum Testen gezwungen werden. Die Prognose, dass dasselbe in ein paar Wochen für das Montafon gelten wird, ist nicht unrealistisch. So erhält man zwangsläufig steigende Testzahlen, die dann medial als Erfolg verkauft werden

Erwin Rigo

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