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Neue Ioannidis-Studie: Infektionssterblichkeit weltweit etwa 0,15 Prozent

Dieser Artikel erschien in leicht abgewandelter Form auf pfm Gesundheit am 29. März 2021

Erste Daten aus China ergaben Anfang 2020 ein völlig falsches Bild von der Infektionssterblichkeit durch das Coronavirus. Völlig unrealistische Zahlen flossen in Modellrechnungen ein, die seither für Angst und Panik gesorgt haben. Seriöse, wissenschaftlich korrekt durchgeführte Studien und Berechnungen wurden nicht wirklich zur Kenntnis genommen, wie beispielsweise die erste Veröffentlichung am 17. März 2020 von John Ioannidis. Aus dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princes errechnete er eine Infektionssterblichkeit (IFR) von 0,125%, was einer mittleren bis stärkeren Grippe entspricht.

Das Ergebnis wurde jedoch immer wieder bestritten. Insbesondere in den fast permanent ausgestrahlten Corona-Talkshows der öffentlich-rechtlichen TV-Sender wurden immer wieder andere Zahlen, die nicht so eindeutig durch eine Studie belegbar waren, genannt.

Am 7. Oktober 2020 meldete sich Ioannidis wieder mit einer umfangreichen Studie, in der er die Gesamtinfektionen bis dahin auf etwa 1 Milliarde schätzte und somit auf eine IFR von 0,15 bis 0,20% kam, wobei für die unter 70-Jährigen der Wert mit sogar nur 0,05% errechnet wurde. Anders als eine Grippe, die auch sehr junge Menschen stark betreffen und gefährden kann, besteht bei SARS-Cov-2 ein Unterschied zwischen Jungen und Alten um einen Faktor 1000 oder noch mehr. Das mittlere Alter der Verstorbenen liegt um 1 bis 2 Jahre über der jeweiligen Lebenserwartung pro Land.

Mit der neuen Studie, die schon auf wesentlich mehr Daten beruht, legt sich Ioannidis nun mit einer durchschnittlichen IFR von 0,15% auf das untere Ende seiner Studie vom Oktober fest. Seine erste Berechnung aus dem März 2020 war offenbar schon sehr genau. Er schätzt die weltweiten Infektionen per Ende Februar 2021 nunmehr auf 1,5 bis 2 Milliarden Menschen. Das entspricht einem Anteil von etwa 20 bis 25 Prozent der Weltbevölkerung.

Der Stand der bisherigen Erkenntnisse

Ioannidis schreibt in der neuen, wieder in der Wiley Online Library erschienenen Studie, dass das Ausmaß der weltweiten Ausbreitung der SARS-CoV2-Infektionen und die Infektionssterblichkeitsrate (IFR) von COVID-19 noch immer kontrovers diskutiert werden. Viele Seroprävalenzstudien haben relevante Schätzungen geliefert. Diese Schätzungen fließen in Prognosen ein, die die Entscheidungsfindung beeinflussen. Einzelne Studien sorgen für Verwirrung, da sie große Unsicherheiten und unklare Verallgemeinerungen über Länder, Orte, Einstellungen und Zeitpunkte hinweg hinterlassen. Einige übergreifende Auswertungen haben aber systematisch Daten aus mehreren Studien und Ländern integriert.

In der neuen Studie untersucht Ioannidis, welche typischen Schätzungen zur Verbreitung der Infektionen mit dem Coronavirus und der Infektionssterblichkeit IFR es gibt, wie heterogen sie sind und welche Faktoren die Heterogenität erklären. Ein Überblick über diese systematischen Auswertungen, der ihre Methoden, Verzerrungen und Schlussfolgerungen vergleicht, kann dabei helfen, ihre Ergebnisse zu diesen wichtigen Parametern der COVID-19-Pandemie in Einklang zu bringen.

Es wurden systematische Auswertungen von Seroprävalenzstudien identifiziert, die keine länderspezifischen Einschränkungen aufwiesen und die entweder die Gesamtzahl der Infizierten und/oder die Gesamt-IFR schätzten. Informationen zu Zulassungskriterien, Recherchen, zum Umfang der eingeschlossenen Evidenz, zu Korrekturen/Anpassungen der Seroprävalenz- und Todesfallzahlen, quantitativen Synthesen und zum Umgang mit Heterogenität, Hauptschätzungen und globaler Repräsentativität wurden extrahiert und verglichen.

Ergebnisse

Sechs systematische Auswertungen wurden von Ioannidis einbezogen. Jede kombinierte Daten aus 10-338 Studien (aus 9-50 Ländern), da die Auswahlkriterien unterschiedlich waren. Zwei Auswertungen wiesen offensichtliche Datenmängel, Verstöße gegen die angegebenen Eignungskriterien und voreingenommene Eignungskriterien (z. B. Ausschluss von Studien mit wenigen Todesfällen) auf, die die IFR-Schätzungen konsequent aufblähten. Die Durchsicht der quantitativen Synthesemethoden wies ebenfalls einige Herausforderungen und Verzerrungen auf.

Die globale Repräsentativität war mit 78-100% der Evidenz aus Europa oder Amerika gering; die beiden problematischsten Auswertungen berücksichtigten nur 1 Studie aus anderen Kontinenten. Unter Berücksichtigung dieser Vorbehalte stimmten 4 Auswertungen in ihren endgültigen Abschätzungen für die globale Ausbreitung der Pandemie weitgehend überein und die beiden anderen Auswertungen würden nach Korrektur der offensichtlichen Fehler und Verzerrungen ebenfalls übereinstimmen.

Schlussfolgerungen

Alle systematischen Auswertungen der Seroprävalenzdaten stimmen darin überein, dass die SARS-CoV-2-Infektion global weit verbreitet ist. Unter Berücksichtigung verbleibender Unsicherheiten deuten die verfügbaren Daten auf eine durchschnittliche globale IFR von ~0,15 % und ~1,5-2,0 Milliarden Infektionen bis Februar 2021 hin, wobei es erhebliche Unterschiede in der IFR und in der Infektionsausbreitung zwischen den Kontinenten, Ländern und Orten gibt.

Die Highlights der Studie:

  • Sechs systematische Auswertungen haben Seroprävalenzstudien ohne länderspezifische Einschränkungen ausgewertet und entweder die Gesamtzahl der Infizierten und/oder die aggregierten Infektionssterberaten für SARS-CoV-2 geschätzt.
  • Diese systematischen Auswertungen haben jeweils Daten aus 10-338 Studien (9-50 Länder) mit sich teilweise überschneidenden Evidenzsyntheseansätzen kombiniert.
  • Einige Entscheidungen bezüglich der Eignung, des Designs und der Datensynthese sind voreingenommen, während andere abweichende Entscheidungen vertretbar sind.
  • Der Großteil der Evidenz (78-100%) stammt aus Europa oder Amerika.
  • Alle systematischen Auswertungen der Seroprävalenzdaten stimmen darin überein, dass die SARS-CoV-2-Infektion global sehr weit verbreitet ist.
  • Die globale Infektionssterblichkeitsrate beträgt ca. 0,15 % bei 1,5-2,0 Milliarden Infektionen (Stand: Februar 2021).

Angesichts dieser Erkenntnisse hat nichts von dem, was die Regierungen in Europa derzeit an Maßnahmen verfügen, eine sachliche Begründung. Ebenso gilt diese für den Impfpass und die Impfkampagnen.

Anm. d. Red: Stefan Gros hat mit Zahlen der AGES die Sterbewahrscheinlichkeit für Österreich berechnet. Diese liegt sogar unter der Bewertung von Prof. Ioannidis, nämlich bei 0,1%. Lesen Sie den gesamten Artikel (https://respekt.plus/wer-wirklich-an-cov-19-stirbt/)

Eine spannende Beobachtung am Rande zum Thema Informationsverbreitung und mediale Kontrolle: Machen Sie den Selbstversuch und suchen Sie die neue Studie von Ioannidis in einer Suchmaschine Ihrer Wahl. Mit allgemeinen Suchbegriffen wie „Ioannidis study“ oder „Ioannidis study ifrs“ kommen Sie nicht weit. Erst mit dem Zusatz „Wiley“ oder „European Journal of Clinical Investigation“, also dem wissenschaftlichen Publikationsportal bzw. der Zeitschrift, wo die Studie erschienen ist, wird man fündig. Man muss also zuerst einmal wissen, wo sich diese Daten befinden, um sie finden zu können – was bei einer Studie dieser Relevanz skandalös ist und bedeutet, dass allgemeine Medien diese Studie schlichtweg ignorieren und sie daher nicht in größeren, allgemeinen Nachrichtenportal aufscheint … und somit „weiter oben bei Google“.


Dieser Artikel erschien in leicht abgewandelter Form auf pfmGesundheit am 29. März 2021

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