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Man fährt wieder Bahn? Von der Verhöhnung eines alten Mannes in Wien Meidling

Ich wartete heute Früh in der Bahnhofshalle in Wien Meidling und hörte ein Gespräch zwischen zwei Security-Mitarbeitern und einem alten, gebrechlichen Mann mit. Er war wohl über 80 Jahre alt. Die beiden Männer forderten ihn auf, eine Maske aufzusetzen. Er antwortete, dass er sie vergessen hatte und fragte, ob er von ihnen eine bekommen könne. Die beiden verneinten, weder von ihnen, noch am Schalter wäre eine zu bekommen. Aber er könnte es bei der Bäckerei Felber probieren. Der alte Mann stellte sich brav in der Schlange an und hielt seine Hand vor den Mund. Es war deutlich zu spüren, wie unangenehm ihm die Situation war. Als er schließlich an der Reihe war, meinten die Mitarbeiter der Bäckerei, dass hier keine Masken zu kaufen wären. Da es Sonntag war, hatte die Trafik um 7:30 Uhr noch geschlossen.

Verzweifelt kehrte der Mann zu den Security-Männern zurück, er wusste nicht was er machen sollte. Die Männer antworteten dem hilflosen Mann: ,Wenn Sie keine Maske haben, dürfen Sie nicht mit dem Zug fahren. Wann geht denn ihr Zug?“ Als sie erfuhren, dass das bald der Fall sein würde, gab einer von ihnen zurück: „Na, dann müssen sie sich beeilen. Sonst dürfen Sie nicht einsteigen!“ Und auf die Maske bezogen: „Wir sind dafür nicht zuständig! Sie müssen selbst schauen, wie sie eine auftreiben.“ Der alte Mann war komplett verzweifelt. Die beiden Männer halfen ihm nicht weiter, nannten kein anderes Geschäft, begleiteten ihn nicht und schlugen auch keine andere Lösungsmöglichkeit vor. Anstatt dass sie Verständnis für eine solche Situation empfunden hätten, standen sie nur da und machten sich über den alten, gebrechlichen Mann laut lustig, so, als ob dieser noch nie etwas von einer Maskenpflicht gehört hätte. Sie ließen ihn allein durch die Bahnhofshalle irren. Nur ein älteres Ehepaar und ich, 22 Jahre alt, sprachen die Security-Mitarbeiter darauf an, dass der Mann doch Hilfe benötige. Die zwei Männer standen breitbeinig auf ihrem Platz, wurden laut und meinten, dass er sich selbst darum kümmern solle.

Schnell reagierten wir drei: Das Ehepaar lief zum nächsten Infoschalter und konnte eine Maske auftreiben, die nur widerwillig hergegeben wurde. Währenddessen lief ich dem Mann hinterher, der mit Tränen in den Augen verwirrt durch die Bahnhofshalle ging. So viel Freude hatte ich noch nie im Gesicht eines Menschen gesehen, als wir dem alten Mann die Maske gaben und er uns tausend Mal dankte. Es war wirklich berührend.

Wo ist die Menschlichkeit geblieben? Keiner der Angestellten wollte ihm helfen, hat sich bemüht, dass er eine Maske bekommt. Keiner! Es ist wirklich erschreckend! Zu guter Letzt beschimpften die Security-Männer den Ehemann, weil er es gewagt hatte ihnen seine Meinung zu sagen, dass er ihr Nichtstun für unglaublich hielt. Mich hat das betroffen gemacht. Wir sollten hellhörig für diese Ungerechtigkeiten bleiben.

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