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Suizid eines jungen Mannes

2020 haben mein Bruder und seine Frau sowie deren ältester Sohn den wohl schwersten Schicksalsschlag hinnehmen müssen, den die Evolution für den Homo sapiens „bereithält“; der jüngere und (nicht nur meiner Einschätzung nach) lebensfreudige Sohn hat sich am 9.4.2020 im 26. Lebensjahr das Leben genommen – in aller Früh, „sauber“ im Wagen seines Vaters, ein paar Kilometer weg vom Elternhaus, durch Einleitung der Auspuffgase in den Wagen. Weder für seine Familie noch für seine Freunde war seine offenbare Verzweiflung hörbar. Es gab Indizien, aber keine Gewissheiten.

Wie immer wir die Dinge drehen und wenden wollen, freilich kann – mangels klarer Hinweise des Verschiedenen – niemand die kausale Ursache zweifelsfrei benennen; aber der Umstand, dass der junge Mann, der es gewohnt war, mit seinen Freunden Fußball zu spielen und sich abends in Gesellschaft seines jungen Lebens zu erfreuen, durch den Lockdown in sein kleines Zimmer gezwungen war, wird sehr wahrscheinlich eine höchst ungünstige Rolle gespielt haben.

Er hat in der Runde seiner Freunde sowohl durch den Umstand, dass er über ein Auto verfügte, als auch wegen seiner frohen „Alkoholabstinenz“ eine willkommene und feste Rolle als „Chauffeur vom Dienst“ gehabt; wie gut wäre es gewesen, wenn er auch an diesem Tag, wo er offenbar in einen Gedankentunnel gerast ist, diesen „harmlosen Ausweg“ hätte finden können.

Jetzt, fast ein Jahr später, ist die Trauer in der Familie noch immer allgegenwärtig. Der Tod durch Suizid ist wohl mindestens so erdrückend wie der durch eine Virus-Erkrankung – oder? Und über die Frage, welcher Tod „wirklich“ drückender ist, wird die Menschheit auch bei heftigstem Mitteleinsatz nicht so bald Gewissheit erlangen können.

Ich bin tief betroffen über den Tod dieses jungen Mannes und darüber, dass die weit übermäßige Fokussierung aller Aufmerksamkeit auf den vergleichsweise erträglichen Corona-Virus so schwere Verwerfungen zeitigt.

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