Vorzeitiger Reha-Abbruch und die Folgen
25. Januar 2021

Meine Schwiegermutter, Geburtsjahrgang 1948, erlitt im Jänner 2020 einen Schlaganfall und wurde unmittelbar in der Intensivstation aufgenommen. Nach einem Aufenthalt von zehn Tagen wurde sie in die stationäre Abteilung des Spitals verlegt. Es war der Beginn eines mühevollen, langsamen und teilweise auch quälenden Wiederherstellungsprozesses mit dem Ziel, den absoluten Sprachverlust und eine schwere halbseitige Lähmung zu behandeln. Nach zweimonatiger stationärer Behandlung im Spital konnte ihr Zustand soweit stabilisiert werden, dass der Beginn einer Rehabilitation möglich wurde. Nach grundsätzlich sehr zuversichtlichem Anfang wurde diese allerdings wegen der Schließung des Rehabilitationszentrums (als Folge der Maßnahmen gegen Covid-19) vorzeitig abgebrochen. Nach fünf langen Monaten und mühevollen Verhandlungen mit der SVS wurde erst durch die Unterstützung des Ombudsmanns eine neuerliche Rehabilitation genehmigt. Zwischenzeitliche Versuche, ihren gesundheitlichen Zustand durch kostenintensive Privattherapien zu verbessern, konnten nur dürftig in Anspruch genommen werden, da aufgrund der Corona-Pandemie kaum Fachpersonal zu finden war. Die Genehmigung eines Pflegegeldzuschusses wurde ebenfalls erst nach Intervention durch den Ombudsmann nach einigen Monaten zumindest teilweise erteilt.

Offensichtlich bewahrheitet sich mittlerweile meine Recherche, dass nach nur mangelhafter Behandlung (insbesondere durch Zeitverzug) eine Lähmungserscheinung nach einem Schlaganfall nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Der rechte Arm meiner Schwiegermutter hängt an ihrer rechten Schulter, als wäre er ein Fremdkörper. Da auch ihr rechtes Bein nicht voll einsetzbar ist, braucht sie seither tagtäglich Unterstützung, die möglicherweise vermeidbar gewesen wäre, wenn man im Sinne der Verhältnismäßigkeit zum angezeigten Zeitpunkt die Rehabilitation nicht unterbrochen, sondern weiter durchgeführt hätte.

In der täglichen Begleitung meiner Schwiegermutter erahne ich mit Entsetzen, wie vielen Menschen es wohl ähnlich ergehen muss, oder gar noch schlimmer. Und das „nur deshalb“, weil die Politik der Bewältigung einer neuen Krankheit mit Verboten, sozialen und gesundheitlichen Einschränkungen sowie Angstmache begegnet – und nicht medizinisch, wie es meiner Meinung nach eigentlich sein sollte.

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