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Treue Kunden helfen Handwerksbetrieb – Regierungshilfe kommt nicht an

Mein Ehemann und ich sind Kleinstunternehmer, wir arbeiten selbstständig in einem alten, vom Aussterben bedrohten Handwerk. Vor Corona hatten wir viel zu tun, oft musste mein Mann an die vierzehn Stunden täglich arbeiten. Es bescherte uns zwar keinen großen Reichtum, doch ein Überleben war möglich. Seit Beginn der Pandemie arbeiten wir teilweise drei, maximal sechs Stunden täglich.

Doch es gibt auch Gutes zu berichten. Wir haben viele treue Stammkunden, die zum Teil krampfhaft Arbeit für uns gesucht haben. Zufriedene Neukunden haben für uns auf Facebook Werbung gemacht, obwohl wir dort nicht zu finden sind.

Unsere Kunden haben uns wirklich getragen! Das ist menschlich wunderbar, doch der finanzielle Verlust ist trotzdem da und politische Floskeln wie „Wir lassen keinen im Stich“ erzeugen bei uns höchstens ein zynisches Lachen – wenn uns zum Lachen wäre. Ja, wir durften im zweiten und dritten Lockdown geöffnet haben – doch was nützt es uns, wenn die Kunden es nicht wissen, weil sie davon ausgehen, dass eh alles zugesperrt ist? Und Umsatzersatz bekommen wir nicht, weil wir ja geöffnet haben.

Für meine Kunden habe ich immer ein offenes Ohr, bin nicht selten Seelentrösterin. Gerade vor Weihnachten standen die Menschen mit Tränen in den Augen vor mir, erzählten von ihrer Verzweiflung. Am liebsten hätte ich mitgeheult…egal, ob sie ihre Enkel nicht sehen konnten, Panik – nicht Angst – vor der Zukunft hatten, ebenfalls Selbständige waren, die ihren Zorn über die Unfähigkeit der Regierung herausließen. Eine Kundin lieh sich einen Kugelschreiber und fragte, ob sie ihn zurückgeben dürfe. In einem anderen Betrieb wurde sie vehement aufgefordert, ihn zu behalten, da sie ihn ja schon angefasst hatte.

Auch auf der anderen Seite gibt es Panik: Kunden, die aus Angst vor Ansteckung eigentlich gar nicht im Laden sein wollen, sich sofort aufregen, wenn sie warten müssen. Die darüber reden, wie sehr sie sich auf die Impfung freuen, wie deppert alle sind, die mit den Maßnahmen nicht einverstanden sind und dass die Verordnungen noch strenger werden sollten. Keiner von ihnen war selbstständig.

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