Fazit einer Pflegerin nach beinahe einem Jahr Pandemie
06. Januar 2021

Ich arbeite seit 18 Jahren in der Pflege. Als der erste Lockdown kam, musste man den Bewohnern auf der Demenzstation etwa fünfzigmal am Tag erklären, dass sie in den Zimmern bleiben sollen. Die anderen, die noch etwas mitbekamen, fragten, warum sie keinen Besuch von den Angehörigen erhielten, ob diese vielleicht wütend auf sie seien.

Die Testungen fanden wöchentlich statt, das Personal fiel aus, auch diejenigen ohne Symptome, die nur positiv getestet wurden. Die anderen kamen an ihre Grenzen, standen unter immer höherem Druck. Die Bewohner verweigerten das Essen und zogen sich noch mehr zurück. Von den Kolleginnen, die in Quarantäne bleiben mussten, sind viele im Nachhinein psychisch erkrankt. Im privaten Umfeld nehmen die seelischen Leiden zu, österreichweit steigen die Selbstmordraten.

Schon längst fällige Untersuchungen bleiben auf der Strecke, wie ich es persönlich bei meinem Vater erleben konnte. Er bekam eines Tages keine Luft und rief die Rettung an. Die Sanitäter zögerten, ob sie ihn mitnehmen sollten oder nicht, es könnte ja Covid sein. Die Maßnahmen richten mittlerweile mehr Schaden an, als nützen.

6.1.2021

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