Über Willkür und Verwirrungen bei Quarantäneverordnungen
24. November 2020

Ich bin fast 50 und Mutter einer 6-jährigen Tochter. Die erste Unsinnigkeit erlebte ich beim ersten Lockdown. Wir haben diese Zeit wie angeordnet mit unserer Tochter drei Wochen lang allein verbracht. Haben diese Zeit genossen, sind spazieren gegangen, draußen halt auch immer allein. Das darf man mit kleinen Kindern einfach nicht machen: Meine Tochter wurde aggressiv und hat oft geweint. Nach drei Wochen dachten wir: Man könnte sich doch mit den Nachbarn treffen, die waren ja, so wie wir, auch drei Wochen allein. Da tauschen sich Menschen aus, die gar nicht krank sein können, die ja auch nicht in der Welt rumspazieren.

Andere Nachbarn haben das gesehen und mit Anzeige gedroht. Da hilft kein Argumentieren: Man muss sich heimlich treffen und fühlt sich wie ein Verbrecher, damit die Kinder spielen können.

Aber noch einmal: Wen sollten wir anstecken???

Vor kurzem hatten wir dann alle Husten. Aber: es ist Herbst! Klar, dass sich das Virus verbreitet, passiert so im Herbst. Warum waren die Experten eigentlich überrascht?

Mein Arzt hat das realistisch gesehen. Ich huste jeden Herbst, habe leichtes Asthma. Krankschreibung, Ruhe, abwarten, bis es besser wird.

Der Papi von nebenan hat einen anderen Arzt. Husten im Herbst. Krankschreibung, fertig. Sein Frau hat eine Ärztin. Die hat Panik gemacht. Sofort zur Testung. Nicht raus. Quarantäne. Die Kinder hat keiner angeschaut. Meine Nachbarin musste also zu Hause bleiben, während ihr Mann einkaufen ging, die Kinder bei Geburtstagen und in der Schule waren. Ist eh nichts passiert, wie üblich.

Jetzt im zweiten Lockdown hat meine Tochter dann gesagt, sie hätte Halsschmerzen. In 6 Jahren war meine Tochter nur ein einziges Mal krank, sonst nie auch nur erkältet. Aber wenn man ständig im kalten Klassenraum sitzt, haut das selbst das stärkste Kind um. Tja, was machen? Sie sieht ja nicht krank aus, aber wenn sie in der Schule sagt, sie hat Halsschmerzen, gibt es nur Ärger, weil ich sie hingeschickt habe. Also beim Arzt anrufen, weil ich eine Pflegebestätigung brauche. Gibt es aber nicht mehr vom Arzt, sondern nur mehr unter 1450.

Da rufe ich an und wir werden beide zum Test geschickt. Unmöglich finde ich die Drohung am Telefon, dies sei eine behördliche Anordnung, ich darf mich nicht weigern, ich muss hin, ich dürfe das Haus nicht verlassen. Hallo, ich habe da gerade freiwillig angerufen. Man muss mir nicht drohen.

Die erste Testung war noch OK. Es ist nicht angenehm, aber man kann es mal aushalten. Meine Tochter hat den Stab in den Hals bekommen und macht das nie wieder. Wo sind eigentlich die Gurgeltests für die Kinder?

Am nächsten Tag ist meine Tochter negativ, ich war ungültig. Meine Tochter und mein Mann dürfen also raus. Ich nicht. Ja und, wenn ich krank wäre, wäre mein Mann doch auch krank, höchstwahrscheinlich. Ich fahre also noch mal zum Test. Man (wer auch immer?) steckt mir den Stab so tief ins Gehirn, dass es echt weh tut. Der hört auch nicht auf, als ich darum bitte. „Nun bleiben Sie doch ruhig,“ sagt er.

Ich habe ihm dann die Hand weggeschlagen und das Stäbchen rausgezogen. Da war er ganz aufgeregt. Ich dürfe ihn doch nicht anfassen und das Stäbchen auch nicht.

Erstens hat er Handschuhe an und kann diese wechseln oder besprühen, wenn er meint, dass das hilft. Das Stäbchen wird hinten sowieso abgeknickt!

Es war gar nicht notwendig, ein neues Stäbchen zu holen und Geld zu verschwenden.

Ganz ehrlich, die haben doch gar keine Ahnung von Viren und Keimen.

Ich selbst habe Mikrobiologie studiert: Ich stell mich nicht so an.

Er hat dann die Testung am anderen Nasenloch wiederholt. Ich hatte zwei Tage lang Kopfschmerzen, durch den Stress Magenprobleme. Das meine ich so: Ich habe nicht essen können! Ich dachte, da ist was kaputt gegangen und habe überlegt, ins Krankenhaus zu gehen, aber die sind dort so hysterisch mit dem Virus, dass ich die Schmerzen lieber ausgestanden habe.

Ich denke, so geht es zurzeit vielen. Meine Mutter mag auch nicht mehr zum Arzt.

Am dritten Tag, mit viel Ruhe, waren die Schmerzen endlich weg.

Zum Test gehe ich nie wieder. Keine Ahnung was die machen, sollte ich mich mal weigern. Meine Tochter kriege ich auch nicht mehr dazu. Also: Was machen die dann eigentlich?

Ist nichts Wildes, aber uns reicht’s.

Wir haben uns mit Freunden und auch in der Familie gestritten. Meine Freundin wird im Wohnblock als Keimschleuder gemieden, dabei ist ihr Mann Herzpatient. Die passen schon auf, aber nicht genug für die Ängstlichen. Wir haben schon zusammen geweint, ich habe viele Nächte nicht schlafen können, bin nur noch gestresst, allein wenn ich beim Einkaufen Masken sehe, dreht sich mein Magen um.

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass mein Vater im Februar in Norddeutschland gestorben ist, wahrscheinlich an Covid, mit 83. Wir haben nämlich alle Antikörper, und wir haben nach dem Besuch gehustet. Damals sagte der Arzt noch, es habe keinen Sinn, einen so kranken alten Mann an die Lungenmaschine anzuschließen. Das sei künstliche Lebensverlängerung. Er sei alt und er sei krank. Dann wurde er einfach abgenommen, weil er das ja auch so verfügt hatte. Jetzt lese ich ständig von sehr alten Menschen, die wochenlang an der Maschine hängen und dann tragisch als Covid-Fall sterben. Vor neun Monaten waren die Menschen einfach alt, jetzt haben sie Covid und müssen unbedingt gerettet werden. Surreal, sage ich nur.

von Silke Mina

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