Schon 160.000 zusätzliche Tote in Europa. Wirklich?
30. Juli 2020
von Dr. Andreas Sönnichsen

Schreiben vom 29. Juli 2020 von Univ.-Prof. Dr. Andreas Sönnichsen an

den Gesundheitsminister Rudolf Anschober
den Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen
den Bundeskanzler Sebastian Kurz
und Univ.Prof. Dr. Franz Allerberger, AGES

Sehr geehrter Herr Bundesminister, sehr geehrte Damen und Herren,

diese Nachricht ist ein gutes Beispiel, wie Statistiken bewusst verzerrt werden, um Panik zu verbreiten. Es werden gezielt nur bestimmte Daten „herausgepickt“ und man macht sich nicht einmal die Mühe, zu berücksichtigen, dass z.B. für das UK für die Jahre vor 2020 gar keine Eurostat-Daten vorliegen.

Die bereinigten Daten – nur für die 23 Länder, für die 2017, 2018, 2019 und 2020 vollständige Datensätze zur Verfügung stehen – sehen folgendermaßen aus:

Gesamttodesfälle der KW 1-22 in 23 Ländern Europas:
2017:     1.917.436
2018:     1.945.929
2019:     1.891.163
2020:     2.000.114

Unterschied zwischen 2020 und dem Durchschnitt der drei Vorjahre: 82.538.
Die Summe der Einwohner dieser 23 Länder: 418,4 Mio.

Das heißt: die Übersterblichkeit beträgt gerade mal 19,7 Tote/100.000 Einwohner.

Zum Vergleich:
Verkehrstote: je nach Land 5-10/100.000
Grippetote: je nach Jahr 15-30/100.000
Rauchertote: 150/100.000

Also: Lassen wir die Kirche im Dorf!

Und: Warten wir die Jahresstatistik ab, wenn 2020 vorbei ist! Bei wie vielen Toten wurde der Tod durch CoViD nur um wenige Tage/Wochen/Monate vorgezogen?

Und: Wie viele Tote sind durch Versorgungslücken, zusätzliche Suizide etc verursacht, nicht durch das Virus, sondern durch die Lockdown-Maßnahmen?  

Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Sönnichsen

Stellv. Curriculumsdirektor der Medizinischen Universität Wien
Abteilung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
Zentrum für Public Health
Medizinische Universität Wien

Dr. Andreas Sönnichsen

Univ.-Prof. Dr. Andreas Sönnichsen ist Wissenschaftler und Allgemeinmediziner. Seit 2018 ist er Professor für Allgemeinmedizin mit Leitung der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin, Zentrum für Public Health an der Medizinischen Universität Wien. Er war Vorstand des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke und bis zu seinem Rücktritt am 11. Jänner 2021 Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM). Sönnichsen ist Herausgeber und Autor zahlreicher Lehrbücher für Medizin, so z. B. der EbM-Guidelines – Evidenzbasierte Medizin für Praxis und Klinik, die in der 7. Auflage beim Verlagshaus der Ärzte erschienen sind.

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